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Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) zum Thema Satellitenschrott

    Bielefeld (ots) - In dem gleichnamigen Kinofilm räumt der drollige Roboter Wall-E die Erde auf. Die Menschen haben ihren Planeten so vermüllt, dass sie dort nicht mehr leben können und in den Weltraum aufgebrochen sind. Der Animationsfilm der Pixar-Studios spielt nur mit einer Idee. Dass die Erde jemals unbewohnbar wird, das möge uns erspart bleiben. Aber schon jetzt stellt sich ganz real die Frage, wer eigentlich das All aufräumt? Die größte Gefahr im Universum droht nicht von fiesen Außerirdischen, wie uns Kinoreißer wie »Independence Day« einzureden versuchen, sondern vom Weltraumschrott. Immer mehr Reste von Raketen und Satelliten fliegen durchs All, die Gefahr einer Kollision mit bemannten Raumfähren steigt. Unnötige Panikmache, wird da nur ein Popanz aufgebaut? Keineswegs. Mehr als 110 000 Müllteile umkreisen mittlerweile die Erde, Amerikaner und Russen verfolgen nur die Bahnen der ungefähr 13 000 Trümmerstücke, die einen Durchmesser von zehn Zentimetern und mehr haben. Mehr als 17 000 Objekte sind inzwischen auf der Erde eingeschlagen. Wenige Zentimeter große Raketenteile können großen Schaden anrichten. Sie sind messerscharf, beschädigen die Außenhaut von Flugkörpern und teure Technik. Sie zwingen Astronauten dazu, in angedockte Sojus-Kapseln zu fliehen, wie bei der ISS am 12. März geschehen. In glimpflicheren Fällen zwingen die Irrläufer dazu, die Flugbahn zu verändern, kosten also Zeit und Mühe. Das Problem wird zunehmen. Längst ist ein Wettlauf ins Weltall im Gange. Nicht nur die USA, Russland und China, auch Indien und Japan wollen hoch hinaus. Die Zahl der Forschungssatelliten steigt genauso wie die Menge der Spionage-, Kommunikations- und Wettersatelliten. Neben der friedlichen Eroberung des Weltalls steht die militärische Option. Wer glaubt, die Pläne des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan für eine Raketenabwehr im All seien längst vom Tisch, der irrt. Satellitengestützte Verteidigung, militärische Vorposten im Universum, die Raketen unschädlich machen, bevor sie im Feindesland einschlagen: All dies haben Militärstrategen längst als erforderlich und wünschenswert erkannt und in die Tat umgesetzt. Wenn Satelliten ausgedient haben, weil es bessere gibt, interessieren sie nicht mehr. Aus dem Auge, aus dem Sinn. Während russische Atom-U-Boote für jedermann sichtbar im Hafen von Murmansk vor sich hinrotten, fällt Weltraumschrott nicht weiter auf. Die Raumfahrtnationen drücken sich um die Kosten der Entsorgung, das Problem wird unterschätzt, nach dem Motto: »Das Universum ist doch unendlich groß.« Aber eine Menschheit, die kurz davor ist, den Mars zu betreten, darf nicht zulassen, dass das Weltall zur Müllhalde wird. Nicht nur zum Schutze von Astronauten und Erdbewohnern müssen die Raumfahrtnationen technische Möglichkeiten entwickeln, zumindest den gröbsten Schrott einzufangen. Ein zweiter Wall-E hätte jedenfalls genug zu tun.

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