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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema Öl

Bielefeld (ots)

Der Ölpreis fällt und vieles spricht dafür, dass
er nicht mehr steigt. Das liegt nicht nur an den Spekulanten, die 
wieder in andere Werte gehen, auch nicht nur an der erlahmenden 
Konjunktur weltweit. Selbst die Georgien-Krise ließ den Ölpreis nur 
für kurze Zeit nach oben ausschlagen. Offenbar sind es strategische 
Überlegungen der Ölförderländer, die den Preis drücken. Allen voran 
Saudi-Arabien, das schon Mitte Juni seine Produktion um 300.000 Fass 
auf 9,7 Millionen Barrel pro Tag erhöht hat.
Die strategische Rechnung ist nicht sehr kompliziert. Normalerweise 
haben die Ölländer, die nicht zum Öl-Kartell OPEC gehören, in Zeiten 
der Preissteigerungen oder Krisen ihre Produktion erhöht und so den 
Preis gedeckelt. Das gilt vor allem für Russland. Aber die Steigerung
ist nur noch begrenzt möglich, momentan sind keine weiteren Reserven 
entdeckt worden.
Selbst wenn Moskau seine Produktion wie zu erwarten um zehn bis 15 
Prozent in der nächsten Dekade auf 14 Millionen Barrel pro Tag 
steigert, wird die Gesamtförderung außerhalb der OPEC kaum über die 
50 Millionen Barrel pro Tag kommen.
 Außerdem sind die Förderkosten in Sibirien oder selbst am Schwarzen 
Meer bis zu zehnmal höher als am Golf. Für die Verbraucher im Westen 
bedeutet das: Der Preis bleibt relativ hoch, wir müssen bei uns 
selbst etwas ändern. Atomenergie wird plötzlich wieder akzeptabel, 
nur in Deutschland bleibt der Widerstand dagegen zäh. Elektromotoren 
sind en vogue, Wind- und Sonnenenergie erleben überall einen massiven
Aufschwung.
 Der überhöhte Ölpreis macht Investitionen rentabel. Das fürchten die
OPEC-Länder am meisten, denn das verringert auf Dauer die 
Abhängigkeit vom Öl, selbst wenn die OPEC mehr Öl preisgünstiger auf 
den Markt werfen würde.
Es nutzt den Ölförderländern wenig, den Preis hoch zu halten. Eine 
Art Schockwirkung erlebten sie mit den Juni-Zahlen. In diesem Monat 
sank der Verbrauch in den beiden größten Industrieländern, den USA 
und Japan, um drei beziehungsweise zwei Prozent, in Europa hielt er 
sich gerade noch. Weniger Abhängigkeit bedeutet auch weniger 
politischen Einfluss.
 Und hier kommt für die Potentaten in den Palästen auch ein ganz 
persönliches Eigeninteresse ins Spiel. Zum einen erlauben die hohen 
Einnahmen ein generöses Verhalten gegenüber dem eigenen Volk und das 
sichert den sozialen Frieden gegenüber den Fundamentalisten. Zum 
anderen sichert die Abhängigkeit der Industrieländer auch deren 
Schutzfunktion für die Monarchien am Golf. Beides ist eine Frage des 
Ölpreises.
Die Marke 150 Dollar zeigte, hier ist eine Grenze erreicht. Man wird 
alles tun, um diese Grenze nicht zu überschreiten. Die 
200-Dollar-Marke, die vor ein paar Wochen als Schreckensszenario 
auftauchte, ist reine Spekulation. Sie kann vielleicht in 
Krisenzeiten für ein paar Tage Wirklichkeit werden. Das Gleichgewicht
des Ölpreises aber dürfte auf mittlere Sicht eher bei 100 Dollar 
liegen.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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