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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) kommentiert:

    Bielefeld (ots) - »Weiche, Wotan, weiche!«, beschwört im »Rheingold« die Urmutter Erda den Göttervater. Die Zahl derer, die in der besagten Zeile des Librettos liebend gerne Wotan durch Wolfgang ersetzt hätten, wuchs in jüngster Zeit rapide. Nun dürfen sie erst einmal durchatmen. Mit Wolfgang Wagners Rücktritt jedoch hat bestenfalls die Ouvertüre begonnen. Ragnarök nämlich, die Götterdämmerung, die auch Wotan dahinraffte, steht den Festspielen erst noch bevor: Im abgrundtiefen Schlund der vollkommen desolaten Finanzen verschwände sang- und klanglos sogar der Fenris-Wolf, dessen aufgerissener Rachen einst von der Erde bis in den Himmel reichte. Was ist künstlerisch zu erwarten? Der Dirigent Christian Thielemann, der im Konzept Katharinas der Gernegroßen (Branchen-Häme) die entscheidende Rolle spielt, steht zwar musikalisch außerhalb jeder Kritik. Er ließe sich aber wie einst der Schwertgott Tyr lieber die Hand abbeißen, ehe er Regisseuren mit zeitgemäßen Vorstellungen Zutritt zum Grünen Hügel gewährte. Erfahrungsgemäß jedoch interessieren sich die Kritiker stärker für den Stil der Inszenierungen als für die Musik. Man muss also nicht Hugin heißen wie der weise Rabe auf Wotans Schulter, um verkünden zu können: Über Bayreuth birst jetzt der Himmel, und aus den Feuilletons kommen in unendlichen Scharen Muspelheims Söhne geritten. Der Kampf hat gerade erst begonnen.

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