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"Grand Prix": NDR-Unterhaltungschef Meier-Beer kündigt Veränderungen für 2003 an

    Hamburg (ots) - Nach dem enttäuschenden Abschneiden des deutschen Wettbewerbstitels "I Can't Live Without Music" von Corinna May beim Finale des "Grand Prix Eurovision 2002" in Tallinn äußert sich der deutsche "Grand Prix"-Verantwortlichen Jürgen Meier-Beer, NDR-Unterhaltungschef, zu den Gründen. Er tritt für Veränderungen des Wettbewerbs im kommenden Jahr ein.          Herr Meier-Beer, hat Deutschland den falschen Titel nach Tallinn geschickt?

    Der deutsche Titel hat den anderen Ländern beim internationalen
Finale deutlich weniger gefallen als den deutschen Fernsehzuschauern
bei der deutschen Vorentscheidung. Damit klafften diesmal der
deutsche und der internationale Geschmack weiter auseinander als in
den Jahren zuvor. Aber was national ein Erfolg war, sollten wir nach
dem internationalen Misserfolg nicht schlecht reden.
    
    Sollten über die internationale Vertretung Deutschlands beim
nächsten "Grand Prix" nicht lieber Experten anstelle der deutschen
Fernsehzuschauer entscheiden?
    
    Die Experten blamieren sich beim "Grand Prix" doch immer am
schlimmsten. Die haben diesmal den deutschen Sieg vorhergesagt, doch
keiner hat mit Lettland gerechnet. Dagegen haben die deutschen
Fernsehzuschauer beim Finale über die internationalen Titel genauso
abgestimmt wie der Rest Europas. Das beweist doch erneut, dass die
normalen deutschen Fernsehzuschauer internationale Trends besser
erspüren als die angeblichen internationalen Experten.
    
    Aber nicht bei der deutschen Vorentscheidung ...
    
    Diesmal nicht. Dennoch bewahrt uns langfristig auch beim "Grand
Prix" die Demokratie eher vor Fehlentscheidungen als
besserwisserische Gremien.
      
    Kann der NDR gar nichts unternehmen, um einer neuen deutschen
Blamage beim "Grand Prix" 2003 vorzubeugen?
    
    Doch, indem wir unseren Kurs der Erneuerung noch rigoroser
vorantreiben. In Deutschland muss endlich Schluss sein mit den
unsinnigen Begriffen "Schlager-Grand-Prix" wie in den 70er-Jahren
oder gar "de la Chanson" wie in den 60ern. Der "Eurovision Song
Contest" - so lautet der offizielle internationale Sendetitel - ist
mit der exzellenten Show des Estnischen Fernsehens endgültig als der
europäische Pop-Wettbewerb etabliert. Dies müssen wir als Maßstab der
nächsten deutschen Vorentscheidung deutlich machen.
    
    Alles nur eine Frage des Titels?
    
    Alles auch eine Frage des Titels! Außerdem setzen wir darauf, dass
die deutschen Plattenfirmen den "Countdown Grand Prix 2003" noch mehr
im Sinne internationaler Erfolgschancen bestücken. Und beim
Abstimmungsverfahren wollen wir den jüngeren Zuschauern, die für die
musikalischen Trends am repräsentativsten sind, ein größeres Gewicht
geben. Dazu prüfen wir die Einführung von SMS-Voting, das sich in
einigen anderen Ländern schon bewährt hat.
    
    Hat Deutschland in Wahrheit gar keine Chance auf einen
internationalen "Grand Prix"-Sieg?
    
    Doch, gerade das zeigen uns die aktuellen Erfahrungen. Estland und
Lettland haben es im "Grand Prix" geschafft, den europäischen
Musikgeschmack besser als der Rest Europas zu treffen, der noch über
die EU-Reife dieser Länder nachdenkt. Die baltischen Staaten konnten
sich an die Spitze der modernen europäischen Popmusik setzen, weil
sie sich nach ihrer Befreiung von der Sowjetherrschaft nicht nur
zurück auf ihre nationale Folklore besonnen haben. Deutschland soll
lahmer sein?
    
ots Originaltext: NDR
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Dirk Meyer-Bosse
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