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Neue Westfälische (Bielefeld): Leiharbeiter sind häufiger krank als andere Arbeitnehmer Die zweite Klasse Wolfgang Mulke, Berlin

Bielefeld (ots) - Klassenkampf war früher die Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit. Heute kommt ein weiterer Interessenkonflikt hinzu. Die Arbeitnehmerschaft ist gespalten, unter anderem durch den Einsatz von Leiharbeitern. Auf der einen Seite stehen gut ausgebildete Fachkräfte und bilden eine unkündbare, gut bezahlte Stammbelegschaft. Auf der anderen Seite schlägt sich die wachsende Zahl von Leiharbeitern mit einer viel schlechteren Bezahlung durchs Leben. Eine Million Beschäftigte erleben dieses Berufsleben zweiter Klasse, das häufiger krank macht und selten zu einem festen Arbeitsplatz führt. Anfänglich war die Liberalisierung der Leiharbeit ein hilfreiches Instrument, mit dem Verkrustungen am Arbeitsmarkt gelöst werden konnten. Doch mittlerweile verhilft sie den Arbeitgebern zu Billigheimern. Auf Solidarität seitens der Stammbelegschaften können die Kollegen auf Zeit nicht hoffen. Das fest angestellte Personal hat kein Interesse an zusätzlichen innerbetrieblichen Wettbewerbern. Die austauschbare zweite Arbeiterklasse kann von einer Gleichstellung nur träumen, wie die Zahlen zum Einkommen und zum höheren Krankenstand belegen. Die Digitalisierung ist eine neuerliche industrielle Revolution mit ähnlichen Folgen, die sich in Leiharbeit, befristeten Verträgen oder Kleinst-Selbständigkeit ausdrücken. Die Politik, aber auch die Gewerkschaften, lassen die Betroffenen alleine. Das mag ökonomisch der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands dienen. Gesellschaftlich könnte sich dies einmal bitter rächen.

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