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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Frankreich räumt Flüchtlingslager in Calais Problem vertagt Dirk-Ulrich Brüggemann

Bielefeld (ots) - Der Versuch der französischen Regierung, den "Dschungel" von Calais aufzulösen, ist zum Scheitern verurteilt, bevor er noch richtig begonnen hat. Die Behörden haben schon öfter angekündigt, den größten Slum Frankreichs wieder dem Erdboden gleich zu machen. Jeder dieser Versuche ist bisher vergeblich gewesen. Denn viele Menschen, die sich dort in der Nähe des Fährhafens und der Einfahrt des Kanaltunnels versammeln, wollen gar nicht in Frankreich bleiben. Ihr Ziel heißt Großbritannien. Sie wollen zu ihren Verwandten, die auf der britischen Insel Unterschlupf gefunden haben. Sie wollen dort ebenfalls Asyl. Ihr Verzweiflung ist groß. So groß, dass sie wider jegliche Vernunft das größte Risiko auf sich nehmen. Sie versuchen, Lastwagen zu kapern, sich auf Ladeflächen zu verstecken, sie lassen sich in Container einsperren, ohne zu wissen, wohin die Reise eigentlich geht. Sie wollen nur den Ärmelkanal überwinden. Und im "Dschungel" warten sie auf die richtige Gelegenheit. Sicher wird sich jetzt vor dem Eintreffens der Winters manch eine Flüchtling überzeugen lassen, die nassen und kalten Tage in einer anderen Flüchtlingsunterkunft im französischen Landesinnern zu verbringen. Aber mit den ersten warmen Sonnenstrahlen werden diese verzweifelten Menschen sich wieder aufmachen in Richtung Kanalküste. Dort werden sie ihre Zelte vielleicht nicht mehr in Calais aufschlagen, denn die Bagger der Regierung werden das menschenunwürdige Flüchtlingscamp abgeräumt haben. Die Zuwanderer werden sich aber an der Küste in vielen kleinen Lagern verteilen. Sie werden mit Schlauchbooten versuchen, den vielbefahrenen Ärmelkanal zu überqueren. Sie werden versuchen, sich in anderen Fährhäfen in Lastwagen zu verstecken. Die belgischen Behörden sind heute bereits voller Sorge, dass die Flüchtlinge aus dem "Dschungel" von Calais die Landesgrenze überqueren und sich rund um den Fährhafen von Seebrügge ein neues Übergangszuhause suchen. Diese Menschen werden in den belgischen Dünen ihre dünnen Zelte aufschlagen, um im richtigen Moment einen unbewachten Lastwagen zu entern. Mit dem jetzt begonnen Versuch der französischen Regierung, dem "Dschungel" von Calais den Kampf anzusagen, ist das Problem allenfalls für ein paar Wochen oder Monate vertagt. Gelöst ist es auf keinen Fall.

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