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Neue Westfälische (Bielefeld): Rockkünstler Bob Dylan erhält Literaturnobelpreis Blowing in the Wind Thomas Klingebiel

Bielefeld (ots) - Sie haben es getan. Seit Jahren zählt Bob Dylan zu den üblichen Verdächtigen, wenn über Kandidaten für den Literaturnobelpreis spekuliert wird. Aber wer hätte gedacht, dass die Schwedische Akademie in Stockholm tatsächlich ernst macht. Gestern Mittag, 13 Uhr, belehrte sie die an Literatur interessierte Welt eines Besseren. Ihre Entscheidung für Bob Dylan ist fragwürdig - vor allem hinsichtlich des Selbstverständnisses der Literaturpreis-Jury. Über Bob Dylans Bedeutung als Songschreiber, über seinen einzigartigen Einfluss auf jede und jeden, der nach ihm Popsongs schrieb, besteht kein Zweifel. Er hat jeden Musikpreis der Welt verdient, der auch Rock und Pop berücksichtigt. Die wichtigen und hochdotierten wie den schwedischen Polar Music Prize hat er auch längst bekommen. Dylans große Kunst besteht jedoch mindestens zur Hälfte aus Musik und Gesang. Seine Lyrics sind keine Gedichte. Liest man sie, statt sie gesungen zu hören, wirken sie oft überraschend konventionell, bisweilen hört man das Reimlexikon rascheln. Dylan selbst sieht sich ausdrücklich in einer Tradition mündlicher Überlieferung. Er wird den Preis nicht ablehnen, aber gebraucht hat er ihn nicht. Seine Welt dürfte sich dadurch kaum ändern. Vermutlich lacht er sich insgeheim kaputt. Was bedeutet diese Wahl aber für den Preis? Gehört es ab jetzt nicht mehr zum Jury-Selbstverständnis, Aufmerksamkeit auf dezidiert literarische Erzähler und Dichter zu richten? Hoffentlich weiß die Antwort auf die Relevanz der Schwedischen Akademie nicht bald nur noch der Wind.

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