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Neue Westfälische (Bielefeld): Verrohung der Sprache Der Wandel hat Grenzen Thomas Klüter

Bielefeld (ots) - Mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck korrigiert mich meine elfjährige Tochter, wenn ich von einer Tätowierung spreche: "Ach, Du meinst ein Tattoo." Ähnlich ist ihre Reaktion, wenn ich vom Rechner statt vom Laptop spreche, von Turnschuhen statt Sneakern oder vom Kaputzenpulli statt vom Hoody. Sprache ist nicht statisch, Sprache lebt, Sprache wandelt sich. Und auch, wenn Journalisten Anglizismen gerne verteufeln, sind sie doch längst Teil der alltäglichen Sprache. Und sicher ist jeder, der Deutsch spricht froh, dass wir nicht mehr so reden, wie Goethe damals schrieb. Dass das Alte überholt ist. Sprachentwicklung und -wandel sind also gut und notwendig. Die von den Lehrern kritisierte Verrohung der Sprache hat aber eine andere Qualität. Das ist keine gesunde Entwicklung, sondern ein Abstieg. Da muss der Wandel Grenzen haben. Vor allem durch die zunehmend anonymer werdenden Kommunikationswege über das Internet verschwinden die Hemmungen. Das gilt für neue Bekanntschaften ebenso wie für neue Feindbilder. Die wenigsten Nutzer haben den Mut, schnell geschriebene Anmachsprüche oder Hasskommentare ihrem Gegenüber ins Gesicht zu sagen. Respekt macht die Qualität des persönlichen Gesprächs aus. Das mag altmodisch sein, aber gut.

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