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Neue Westfälische (Bielefeld): Wohnsitzauflage für Flüchtlinge Das Ländliche muss attraktiver werden Marten Siegmann

Bielefeld (ots) - Vertrautheit schafft Sicherheit. Wer aus einem fremden Land, einer fremden Kultur nach Deutschland flieht, sehnt sich danach, möglichst schnell und unkompliziert hier Fuß zu fassen. Verständlich, dass viele Geflohene versuchen, sich an dem zu orientieren, das auch in der Fremde Halt gibt: Das sind vor allem Verwandte, Freunde oder zumindest jene, die die eigene Muttersprache verstehen. Eventuellen "Ballungen bestimmter Gruppen in wenigen Städten" allerdings soll vorgebeugt werden, heißt es aus dem Integrationsministerium. Per Gesetz auf Wunsch des Landes. Im Klartext: Drei Jahre lang sollen Asylbewerber, deren Antrag bewilligt wurde, an einen Wohnort gebunden werden. Das ist ambitioniert. Sowohl was die Anforderungen an kleinere Kommunen angeht, als auch an jene Menschen, die zwangsweise auf das flache Land geschickt werden. Denn dort, wo Hunderttausende auf engem Raum Leben, stehen die Chancen ungleich besser, bezahlbaren Wohnraum, vor allem aber eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Keinem Flüchtling und keiner Kommune ist damit geholfen, beide unter Zwang auf befristete Dauer zusammenzuhalten. Eher müsste daran gearbeitet werden, die Kommunen darin zu unterstützen, attraktivere Angebote für Zuwanderer parat zu halten. Hier ist der Bund in der Pflicht. Denn Bemühungen durch die zahllosen freiwilligen Helfer und Organisationen zum Trotz bleibt für viele Flüchtlinge in Deutschland vor allem eins: die große Ungewissheit. Eine langfristige Perspektive haben die Wenigsten. Hinzu kommt die Sprachbarriere, kulturelle Unterschiede und die Tücken der Bürokratie. Da scheint es nur legitim, sich auf die Suche nach schneller Abhilfe in die großen Städte zu begeben. Eine Großstadt bietet - allein schon unter logistischen Gesichtspunkten - viele Vorzüge, kurze Wege, gute Infrastrukturen. Die Wohnsitzauflage lässt sich nur erfolgreich durchsetzen, wenn der Bund die ländlichen Kommunen massiv unterstützt. Denn besonders in den kleinen Orten sind der zu betreibende Aufwand für das Unterfangen Wohnsitzauflage ungleich größer als in der Stadt.

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