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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: US-Präsident Obama besucht Hiroshima Es bleibt nur eine Fußnote Dirk Hautkapp, Washington

Bielefeld (ots) - Hiroshima ist das heilige Symbol für eine der größten Todsünden der Menschheit. Das vor 71 Jahren entstandene Bild vom Atompilz gehört zum Erinnerungsschatz von Generationen. Wer an diesem Wallfahrtsort des Friedens die Stimme erhebt, muss mehr als Worthülsen liefern. Oder den x-ten Aufguss der Debatte, ob der Abwurf der Bombe militärisch notwendig oder moralisch verwerflich war. Bei aller Wertschätzung für die Geste, die ihren entschuldigenden Charakter aus der schieren Anwesenheit Obamas bezog: Die erste Visite eines US-Präsidenten an der Stätte der Schande erfüllte die Bedürfnisse nicht. "Wir haben die Qualen des Krieges erfahren. Lasst uns gemeinsam den Mut finden, Frieden zu verbreiten und nach einer Welt ohne Atomwaffen streben." Obamas Worte im Gästebuch des Friedensparks von Hiroshima bilden in der Substanz das, was der kurz darauf überhastet zum Friedensnobelpreisträger Geadelte schon 2009 in Prag verkündete. Nur diesmal entschieden vager und defensiver. Gestrichen ist das "Yes, we can", mit dem der Hoffnungsträger damals den Eindruck erzeugte, dass eine Welt ohne Atomwaffen keine Utopie ist. Sieben Jahre später fällt die Bilanz ernüchternd aus. Auch, weil Amerikas Taten mit den Worten seines Präsidenten nie Schritt hielten. Die Gefahr einer nuklearen Auseinandersetzung ist größer als je zuvor. Die nuklearen Arsenale sind mit 16.000 Sprengköpfen zwar kleiner, aber immer noch randvoll. Obwohl der Atomwaffensperrvertrag vorschreibt, dass die Atomgroßmächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien ihre Bestände vollständig abbauen müssen. Die Folge: Mehr Länder als früher verfügen über Atomwaffen. Tests mit Massenvernichtungsgerätschaften gehen weiter. Der Vertrag über einen Teststopp wurde zwar 1996 verabschiedet, aber nie ratifiziert. Die Technologie wird raffinierter. Mehr nukleare Habenichtse drängen in die Liga der Atommächte. Terroristen trachten danach, Atombomben zu kaufen, zu konstruieren oder zu stehlen. Die Supermächte USA und Russland halten an der Doktrin des Gleichgewichts des Schreckens wie im Kalten Krieg fest. Abschreckung ist noch immer ihr Leitmotiv. Wenigstens konturenhaft darüber zu reden, wie unter US-Initiative ein wirksames internationales Kontrollregime zur Eindämmung von Atomwaffen aussehen könnte, hätte Obama in die Geschichtsbücher katapultiert. So bleibt statt Vermächtnis eine Fußnote.

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