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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Anstieg rechtsextremer Straftaten Gegen den begeisterten Hass Johannes Hülstrung

Bielefeld (ots) - Was die Statistik sagt, ist besorgniserregend: 174 rechtsextreme Straftaten gab es 2014 in OWL, 2015 waren es 278. Das ist ein Anstieg um knapp 60 Prozent. Der Trend für das laufende Jahr sieht nicht viel besser aus. Nun ist es mit Statistiken so eine Sache. Denn manches ist erst auf den zweiten Blick erkennbar: Dass in OWL nach wie vor mit deutlichem Abstand die geringste rechtsmotivierte Kriminalität aller NRW-Bezirke herrscht. Dass ein Großteil der Straftaten aus der Verbreitung von Propagandamitteln und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen besteht. Dass Gewaltdelikte zum Glück nur einen Bruchteil ausmachen, wenn auch einen gestiegenen. Das alles darf aber auf keinen Fall dazu genutzt werden, die Statistik zu verharmlosen und damit das, was hinter ihr steckt. Denn wichtiger als die nackten Zahlen ist, was in den Köpfen der Menschen vorgeht, die sie in die Höhe geschraubt haben. Und das ist in der Tat besorgniserregend. Die Stimmung in Deutschland, NRW und OWL droht zu kippen. Menschen entwickeln Hass auf alles Fremde, haben Angst vor Veränderungen und entladen ihre Unsicherheit in Gewalt. Das mag in manchen Teilen der Republik, insbesondere im Osten, massiver sein als im beschaulichen Ostwestfalen-Lippe. Doch das ist kein Grund, die heimische Region aus der Problematik auszuklammern. Rechte Demonstrationen und Kundgebungen nehmen auch in OWL zu. Die AfD präsentierte sich vergangene Woche zum vierten Mal in vier Monaten in Paderborn. Gastredner war ein wütender Vizeparteichef Björn Höcke, der mit völkischem Sprachduktus oft lächerlich und wie aus der Zeit gefallen wirkt. Wenn ihm wie in Paderborn 500 Anhänger begeistert zujubeln, lässt sich das nur leider nicht mehr als lächerlich abtun. Dieser begeisterte Hass muss bekämpft werden. Nicht, indem man die Menschen ausgrenzt, sondern indem man mit ihnen spricht, ihre Sorgen verstehen lernt und sie überzeugt, dass viele davon unbegründet sind. Sie den Populisten zu überlassen, ist gefährlich. Die Statistik kann zeigen, dass es nicht um die Zahlen selbst gehen darf. Dafür aber um die Menschen.

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