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Neue Westfälische (Bielefeld): Gaffer sollen bestraft werden Mangelnde Empathie Sina Wollgramm

Bielefeld (ots) - Das Fotografieren an Unfallstellen unter Strafe zu stellen, ist richtig. Die laut Einsatzkräften häufig verwendete Ausrede, man wolle Medien mit den Fotos beliefern, darf nicht gelten, wenn dadurch Leben gefährdet werden. Diejenigen, die in brisanten Situationen fotografieren dürfen, sind Journalisten und verfügen über einen Presseausweis. Grundsätzlich gilt: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". So lautet Absatz 1 des Grundgesetzes. Dass dieser Satz an erster Stelle steht, hat einen Grund: die Menschenwürde ist allem übergeordnet. Welche Gründe gibt es, an Unfallstellen anzuhalten und das Smartphone zu zücken? Ganz klar, um den Notarzt zu alarmieren, sollten noch keine Rettungskräfte vor Ort sein. Welche Gründe gibt es, an Unfallstellen Fotos anzufertigen? Keine. Wenn der Gaffer angibt, sein Foto nicht verwerten zu wollen, worin bestand dann der Sinn eines anzufertigen? Wiegt ein sinnlos gemachtes Foto den für Rettungskräfte verursachten Zeitverlust auf? Wohl kaum. Wer meint, sich im Internet mit derlei Bildern profilieren zu müssen, sollte sich in die Lage des Verunfallten versetzen. Wie fühlt es sich an, einen schweren Unfall erlebt zu haben, völlig benommen und auf Hilfe angewiesen auf der Straße oder im zerquetschten Auto zu liegen und wahrzunehmen, wie sämtliche Smartphones auf einen gerichtet sind? Es vergeht Zeit, in der den Verunfallten das Gefühl überkommt, der Rettungswagen werde nicht rechtzeitig eintreffen, denn Autos versperren den Weg. Wie wenig Einfühlungsvermögen darf gesellschaftlich erlaubt sein? Diese Frage steht hinter dem Gesetzesentwurf über den der Bundesrat heute berät. Dass in Unfallsituationen zu wenig Achtung vor der Würde des Verunfallten strafbar gemacht wird, ist notwenig. Aber auch umsetzbar? Dass Zeit für das Aufnehmen von Personalien der Schaulustigen verloren wird, wenn es um Leben und Tod geht, ist nicht hinnehmbar. Polizisten fotografieren teilweise schon jetzt Gaffer um sie im Nachgang ausfindig zu machen. Helfen könnte auch der Einsatz von Schulterkameras. Das, was Gaffer aber sofort abschrecken könnte, ist der Einzug des Smartphones durch Polizeibeamte. Damit das möglich wird, muss der Entwurf zum Gesetz werden.

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