Neue Westfälische (Bielefeld)

Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Radikaler Sparkurs bei Gerry Weber Besinnung auf die Kunden MARTIN KRAUSE

Bielefeld (ots) - Wir haben verstanden": Neben einigen bitteren Nachrichten ist es diese Botschaft, die die Gerry Weber AG aussendet. Dabei traten die Vorstände Ralf Weber, David Frink und Norbert Steinke in verändertem Tonfall und neuem Stil auf. Konzentriert, bescheiden und passagenweise fast reumütig bekannten die Vorstände eigene Fehler und skizzierten den Weg in eine erfolgreiche Zukunft. Dass ein Rest Skepsis bleibt, zeigt die Börse: Die Aktie fiel am Freitag um 10 Prozent. Die Aktionäre hatten wohl auf noch härtere Sparmaßnahmen spekuliert. In jedem Fall müssen sie Einbußen bei der Dividende und vielleicht gar einen kompletten Ausfall im nächsten Jahr hinnehmen. Schlimmer ist aber der Abbau von 200 der 1.000 Arbeitsplätze am Firmensitz. Konzernweit fallen zudem mehr als 500 weitere Stellen weg. Mindestens, weil rund 50 Läden noch beobachtet werden, ob sie die Ertragsziele erreichen. Falls nicht, sind weitere Filialschließungen und Stellenverluste zu erwarten - Konsequenzen der sorglosen Expansionspolitik vergangener Jahre. Der Auftritt des Vorstandstrios bot aber auch positive Aspekte, und dazu gehört die Bereitschaft, hausgemachte Probleme öffentlich zu benennen. Ein zentraler Punkt ist die Behandlung selbstständiger Partner im Handel, denen Gerry Weber durch eigene Geschäfte zunehmend Konkurrenz machte und die zuletzt wohl genervt reagierten. Das Problem stellt sich anderen "vertikalen" Marken wie Esprit oder S.Oliver ähnlich. Weber gelobte, dass die treuen Einzelhändler nun "besser betreut" werden sollen. Ein anderes Problem sprach unverblümt der von Hallhuber "mitübernommene" Vorstand Norbert Steinke an: Es sei doch sinnlos, den Käuferinnen im Winter schon die dünnsten Fähnchen anzubieten, wenn die noch gar keine haben wollten. Das klingt wie eine Besinnung auf die wahren Bedürfnisse der Kunden - das kann nicht schaden. Auch ständige Rabattaktionen sieht Steinke als selbstgemachtes Problem des Handels. Ob die Neuausrichtung den gewünschten Erfolg haben wird, hängt auch von Faktoren ab, die in Halle kaum beeinflusst werden können. Dazu gehört die Frage, welchen Stellenwert Bekleidung noch in der Käufergunst hat. Die Modekrise hat inzwischen selbst Hugo Boss erwischt, wie der Chefwechsel dort zeigt. Nach menschlichem Ermessen aber hat Gerry Weber den Grundstein für eine Gesundung gelegt.

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