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Neue Westfälische (Bielefeld): Die Frankfurter Buchmesse wird von Salman Rushdie eröffnet Für das freie Wort stefan brams

Bielefeld (ots) - Dass auf der Frankfurter Buchmesse 10.000 Bücher wie Dominosteine aufgestellt werden sollen, um dann rekordverdächtig umzufallen, gehört zur Show, mit der solche Großveranstaltungen heutzutage gerne aufwarten. Doch abgesehen von solchem Schnickschnack, verspricht die größte Buchmesse der Welt eine deutlich politischere Messe zu werden als in den vergangenen Jahren. Einen Akzent setzt die Messeleitung bereits mit der heutigen Auftaktpressekonferenz. Dort wird der Autor Salman Rushdie sprechen, der 1989 von den Mullahs im Iran wegen seines Romans "Die Satanischen Verse" mit einer "Fatwa" belegt wurde. Der Mordaufruf gilt bis heute. Insofern ist Rushdies Einladung ein deutliches Bekenntnis zur Freiheit des Wortes. Ein Signal, das dringend gebraucht wird, denn um die freie Meinung und das freie Wort ist es nicht gut bestellt in dieser Welt. Dass der Iran prompt ankündigte, der Messe wegen Rushdies Einladung fernzubleiben, spricht Bände und zeigt nur, wie richtig diese Einladung ist. Aber auch sonst setzt die Messe Zeichen: Flüchtlinge erhalten an den Publikumstagen freien Eintritt. Die Themen Flucht, Vertreibung und grassierender Extremismus werden in zahlreichen Veranstaltungen thematisiert. Messechef Juergen Boos verspricht gar "die politischste Buchmesse seit langem". Gut so. Und sonst? Das Thema Digitalisierung, über das in den vergangenen Jahren heftig diskutiert wurde, scheint durch. Die Verlage sehen längst die Chancen, die in digitalen Büchern und Vertriebskanälen liegen, statt sie zu verteufeln. Und der Leser ist zum Hybrid-Leser geworden und weiß die Vorteile beider Welten für sich zu nutzen. Es scheint sogar eine Bewegung zurück zum gedruckten, gut gemachten und hochwertigen Buch zu geben. Der E-Book-Markt stagniert. Der totgesagte Buchhandel erholt sich leicht. Der Internethandel mit der Ware Buch schrumpft sogar. Und die Verlage haben ihre Titelproduktion zurückgefahren. Statt mehr als 80.000 kommen hierzulande lediglich noch 74.000 neue Titel als Erstauflage heraus. Eine Konzentration, die dem Büchermachen eher gut tut. Kein Grund also auf der Messe, 10.000 Bücher umkippen zu lassen.

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