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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Eklat um Hermann-Äußerung Reichlich überdimensioniert Ralf Müller, München

Bielefeld (ots) - Es war sicher kein guter Einfall von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), in der TV-Sendung "Hart, aber fair" den (CSU-freundlichen) Entertainer Robert Blanco unprovoziert und ungefragt als "wunderbaren Neger" zu bezeichnen. "Neger" ist nun mal spätestens seit Umbenennung des "Negerkusses" in "Schokokuss" ein rassistisches Schimpfwort. Die Erklärung Herrmanns, er habe damit auf eine Einspielung reagiert, konnte das Kind nicht mehr aus dem Brunnen holen. Zu einem ernsten Vorgang werden verbale Entgleisungen jedoch erst, wenn dahinter mit einiger Berechtigung eine entsprechende Einstellung des Entgleisenden zu vermuten ist. Das aber ist im Falle des bayerischen Innenministers nun wirklich nicht der Fall. Auch aus privaten Gesprächen ist keine Äußerung Herrmanns bekannt, die auf Rassismus oder Ausländerdiskriminierung hindeuten würde. Herrmann ist zwar der Klartext redende "schwarze Sheriff" der CSU, aber kein rechter Sprücheklopfer. Die Entrüstungsmaschinerie, die inzwischen wegen des "wunderbaren Negers" anlief, ist daher um einiges überdimensioniert. Wenn man schon einen solchen Ausrutscher als "ungeheuerlich" verurteilt oder gar - wie die bayerischen Jusos - gleich den Rücktritt Herrmanns fordert, zu welchem Empörungsinstrumentarium will man greifen, wenn sich ein verantwortlicher Politiker ernsthaft in rassistisches Gedankengut verheddert? Sensibilität ist angebracht, aber nicht Hysterie. Wenn jeder Sturm im Wasserglas der politischen Überkorrektheit zur Staats- oder Demokratiekrise hochgejubelt wird, dann ist das für das politische Klima auch nicht förderlich, ja kann sogar das Gegenteil des Beabsichtigten bewirken. Wenn vor lauter Furcht, etwas Falsches zu sagen, nur noch weichgespültes Wortgestammel abgesondert wird, ist das nicht im Sinne einer offenen politischen Auseinandersetzung. Der Vorgang hat gezeigt: Auch erfahrene Politiker wie der bayerische Innenminister sind vor Glatteisunfällen keineswegs gefeit. Herrmann hat die Lektion sicherlich gelernt. Nun sollten wir uns wieder mit den wirklichen Problemen befassen. Davon soll es ja auch noch einige geben.

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