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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Entscheidung zur Homo-Ehe Irland im Wandel Jochen wittmann

Bielefeld (ots) - Früher einmal war Irland das Lieblingsland der Päpste, weil die Nation so tiefgläubig war. Jetzt nicht mehr. Der Ausgang des Referendums über die Homo-Ehe demonstriert deutlich, dass die katholische Kirche auf der Grünen Insel in gesellschaftlichen Fragen nicht mehr tonangebend ist. Gingen in den 70er Jahren über 90 Prozent der Iren wöchentlich zur Messe, waren es 2011 nur noch 30 Prozent. Der dominante politische Einfluss, den die Kirche einst hatte und der sich in der Verfassung deutlich niederschlug, nahm in dem Maße ab, wie sich das Land wirtschaftlich und gesellschaftlich modernisierte. Noch bis 1993 war homosexueller Sex hier illegal. Es brauchte drei Volksabstimmungen, um die Ehescheidung 1995 einzuführen, aber mittlerweile ist selbst Abtreibung - in engen Grenzen - gesetzlich erlaubt. Das deutliche Ergebnis der Volksabstimmung zeigt, dass sich ein modernes Irland durchgesetzt hat: Die Iren sehen sich heute als eine offene, liberale, tolerante Gesellschaft. Die Debatte über die Gleichstellung der Homo-Ehe war nicht nur eine Auseinandersetzung über schwule Rechte, sondern auch ein Kulturkampf zwischen altem und neuem Irland. So wie Iren heute nicht mehr auswandern müssen, um Arbeit zu finden, so müssen sie künftig auch nicht mehr ins Ausland ziehen, um als gleichberechtigte Bürger ihre Sexualität im Rahmen einer Ehe auszuleben.

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