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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Atom-Verhandlungen mit dem Iran Ein guter Plan Dirk Hautkapp, Washington

Bielefeld (ots) - Es gab entschieden schlechtere politische Botschaften rund um das vergangene Osterfest als diese: In dem seit weit über zehn Jahren schwelenden Atomstreit mit dem Iran ist das Fundament für eine Lösung gegossen, die sich aus Mitteln der Vernunft speist. Ob es trägt? Abwarten. Erst wenn der absichtserklärende Charakter der Vereinbarungen von Lausanne in unterschriftsreife, strafbewehrte Details überführt wird, kommt es zum Schwur. Und kein Vertun: Würde die Hürde genommen, fängt die eigentliche Arbeit erst an. Sprich die Transformation potenziell "böser", waffenfähiger Atomanlagen im Iran in "gute", die ausschließlich zivilen Zielen bei der Energieversorgung oder in der Medizin dienen. Und damit einhergehend die schrittweise Re-Integration des Irans in die Weltwirtschaft - zu bewerkstelligen durch das Liften der gegen Teheran verhängten Wirtschaftssanktionen. Dass hier lückenlose Überprüfbarkeit und der Verzicht auf jede Trickserei das Maß aller Dinge sein muss, erklärt sich von selbst. Genauso wie hartes Zur-Rechenschaft-Ziehen, falls der Iran (wieder) vertragsbrüchig wird. Das Ergebnis vom Genfer See ist ein hart errungener, detailreicher diplomatischer Interimserfolg. Beide Seiten haben sich bewegt. Die USA mehr als der Iran, wie es scheint. Aber niemand hat sein Gesicht verloren. Als Präsident Barack Obama und sein Gegenüber Hassan Ruhani im Herbst 2013 durch einen flüchtigen Händedruck bei den Vereinten Nationen das wechselseitig praktizierte Ignorieren beendeten, konnte davon nicht einmal geträumt werden. Bedanken können sich beide bei der EU und Berlin. Ohne deren Engagement wäre Lausanne nicht möglich gewesen. Lausanne ist ein Anfang. Ja, der Iran ist eine unheimliche Regionalmacht, die trotz Sanktionen immer stärker geworden ist. Solche Feinde kann man durch Einbinden einhegen. Vielleicht. Durch Ausgrenzung nie. Selbst wenn man die bisher bekannten Details des Atom-Deals noch unter Zentralvorbehalt stellen muss, bleibt zu sagen: Die Schar der Kritiker, ob in Israel, in Saudi-Arabien oder im Kongress von Washington, hat es ab sofort einigermaßen schwer. Der Iran stellt seine gesamte Nuklear-Landschaft unter internationale Kuratel, entschärft gefährliche Infrastruktur, lagert Treibstoff für die 
potenzielle Bombe aus, baut zur Freude westlicher Konzerne (auch in Deutschland) Anlagen zurück oder um und macht sich an breiter Front waffenunfähig. Und das unter dem Strich über ein Vierteljahrhundert lang. So der Plan. Ein guter Plan. Wer diese Laufzeit als zu kurz und den Grad der Eindämmung des atomaren Risikos als zu schwach verunglimpft, wer blind nach weiteren Wirtschaftssanktionen schreit und eine militärische Eskalation im Mittleren Osten herbeiredet, die mit der Bombardierung iranischer Atomanlagen zweifelsohne verbunden wäre, handelt verantwortungslos. Ob es Ende Juni zu einem endgültigen Vertrag kommt, ist noch nicht mit Gewissheit zu sagen. Auch ein Scheitern ist nicht ausgeschlossen. Entscheidend wird das Rückgrat und die Ausdauer der wichtigsten Beteiligten sein. Treten sie den Beweis an, dass Großkonflikte im 21. Jahrhundert auf eine Weise moderiert und gelöst werden können, in der kein Blut fließt und bei der Rüstungskonzerne nicht mitverdienen? Obama ist bereit dazu. Teheran - hoffentlich - auch.

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