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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Islamistischer Terror-Anschlag in Paris Feige Mörder THOMAS SEIM

Bielefeld (ots) - Angst geht um in Europa. Angst vor Terror. Islamistischem Terror. Wie sehr diese Angst das Alltagsleben ab sofort beeinträchtigen kann und wird, haben wir in Deutschland zu Zeiten des RAF-Terrors in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts erlebt. Der "Deutsche Herbst" damals hat das Land und den politischen Diskurs über Jahre beherrscht und das Gleichgewicht von Freiheit und Sicherheit für lange Zeit zu Lasten der Freiheit verschoben. Seit gestern ist die Angst zurück in Europa, und sie ist ein erhebliches Stück brutaler geworden, irrationaler, rücksichtsloser und vor allem bedrohlicher. Mitten in einer liebenswerten europäischen Großstadt versteigen sich Gewalttäter, die offenbar der islamistischen Terrororganisation El Kaida angehören, zu einem Angriff auf eine satirische Zeitschrift und töten gezielt und ungezielt mehr als zehn Menschen mit Waffengewalt. Sie geben religiöse Gründe vor, fühlen sich gedemütigt, weil die Zeitschrift Abbilder ihres Propheten Mohammed als satirische Zeichnungen gedruckt und veröffentlicht hat. Sie leiten daraus das Recht zu solchen Anschlägen ab. Es gibt aber kein Recht zu solchen Anschlägen. Keine Schrift der Welt darf dazu die Legitimation geben, auch der Koran nicht. Diese Täter von Paris sind keine radikalen Moslems, keine verblendeten Glaubensideologen. Diese Täter sind skrupellose, gewissenlose Verbrecher. Sie sind Killer. Feige Mörder, die sich nur im Schatten der Überraschungstat, bei der sie keine Gegenwehr fürchten müssen, mutig geben. Muslimische Religionsführer überall in der Welt müssen ihnen das Recht nehmen, sich auf eine Religion berufen zu dürfen. Wer wie die Täter aus dem Hinterhalt kommt oder wie die angeblich auf islamischen Glauben gegründete Kalifat-Terrororganisation IS wehrlosen Gefangenen vor laufenden Kameras den Kopf abschneidet, hat den Schutzanspruch jeder Gemeinschaft und jeder Religion verspielt. Wir müssen uns dies klarmachen und stets in Erinnerung rufen, wenn wir in den kommenden Wochen über die Herausforderung Europas, der Welt durch diesen Terrorismus beraten und nach Wegen suchen, ihm zu begegnen. Dabei wird viel Besonnenheit und kluges Abwägen gebraucht, um den einfachen und schnellen Erklärungen dieser unsäglichen Pegida-Bewegung und den Schlussfolgerungen der rechten AfD-Partei zu begegnen. Schon einmal, vor gut 13 Jahren, hat die unbesonnene Reaktion des amerikanischen Präsidenten George W. Bush auf die Anschläge von New York weitreichende und zum Teil verheerende Folgen gehabt. Die folgenden Bush-Kriege jedenfalls haben die Welt seither nicht sicherer gemacht. Die allmächtige Überwachungsorganisation NSA auch nicht, wie wir jetzt wieder erleben. Die feigen Mörder von Paris wollten den Mord, aber sie wollten damit zugleich einen Anschlag auf die Freiheit verüben. Darauf richtet sich das ganze Tun der Terroristen, dass sie unser freies Leben in einer Demokratie durch die Drohung mit gnadenlosem Terror unterdrücken. Das Schüren der Angst vor diesem Terror - da muss man Bundeskanzlerin Angela Merkel zustimmen - ist ein Angriff auf ein Kernelement unserer freiheitlich-demokratischen Kultur in ganz Europa. Diesen Angriff abzuwehren - nach außen und nach innen -, das wird die nicht leichte Aufgabe der Besonnenen in den kommenden Wochen sein.

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