Neue Westfälische (Bielefeld)

Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Weihnachten 2014 Dank den Ehrenamtlichen CARSTEN HEIL

Bielefeld (ots) - Deutschland scheint zu einem Land der Meckerer, Motzer und Verhinderer geworden zu sein. Am besten keine Veränderungen, und alle Verantwortlichen und Umstände werden gleich pauschal niedergemacht. Alle Politiker sind Versager, alle Banker sind Verbrecher, und alle Ausländer wollen nur ans deutsche Geld und sich hier ein faules Leben machen. Offensichtlich wird diese seit etlichen Jahren wachsende Grundhaltung am Zulauf der Organisation "Pegida", die als Wurzel allen Übels zwar den Islam ausgemacht hat, gleich aber komplett auf Politik, Presse und Wirtschaft mitschimpft. Das Bedenkliche: Da sind nicht nur rechtsradikale Spinner versammelt, sondern Teile der frustrierten bürgerlichen Mittelschicht. Die muss sich jedoch fragen lassen, wie sie besser zu einer Entwicklung im Land beitragen kann, die positiv ist. Immer nur "dagegen" ist zu wenig. Insbesondere in den Weihnachtstagen ist daran zu erinnern, dass Engagement, Einsatz für andere, Hilfsbereitschaft zufriedener machen, ja sogar glücklicher machen können als Motzen und ewiges Kritisieren. "Ohne jemanden glücklich machen zu können, kann man selbst natürlich auch nicht glücklich sein", schreibt der japanische Bestsellerautor Haruki Murakami. Und genau das machen Tausende, Zigtausende Ehrenamtliche: Sie machen andere und sich glücklich. Ob sie in der Gütersloher Kindersuppenküche nach einem anstrengenden Jahr im Dienst der Kinder selbst am Heiligen Abend noch Essen austeilen. Oder ob sie für die Lübbecker Tafel auch über die Feiertage im Einsatz sind, um Bedürftigen zu helfen. Beide Einrichtungen stehen nur beispielhaft für zahlreiche Organisationen in OWL, in denen aus unterschiedlicher Motivation geholfen wird. Gemeinsam ist allen Helfern über die Unterstützung Bedürftiger hinaus der persönliche Gewinn der investierten Zeit. Das sehen wohl auch die zahlreichen Engagierten so, die sich in diesen Wochen meist kurzfristig gemeldet haben, um den neu in Deutschland ankommenden Flüchtlingen zur Seite zu stehen. Zu Tausenden geben sie Kleidung und Essen aus, reparieren Fahrräder oder organisieren Unterhaltung für die Menschen, die gekommen sind, bei uns Schutz zu finden. Es ist die große Stärke unseres Landes, dass sich viele Menschen für andere Menschen einsetzen, ohne zu fragen, was sie selbst dafür bekommen. Es ist mehr als Spenden, die steuerlich absetzbar sind. Die machen zwar kurzfristig ein gutes Gefühl. Wer sich aber mit seiner Zeit und seinem Können für Schwächere einsetzt, hat bei aller Mühsal der alltäglichen Arbeit dabei dauerhaft mehr Lebensglück oder, besser formuliert, mehr Lebensfreude. Er verändert sich selbst in dem Maße, in dem er sich Veränderung für die Welt wünscht. Oft nur im ganz Kleinen, aber deshalb nicht unwichtiger. Die Bibel nennt das "Geben ist seliger denn Nehmen". Die Stärke unseres Landes ist es nicht, voller Angst, Neid und Missgunst auf die anderen zu blicken und zu schimpfen. Schwierig ist nur, dass die Ehrenamtlichen und Helfer ihre Arbeit still erledigen, während die Motzer laut sind. Sie werden deshalb manchmal nicht so intensiv wahrgenommen, wie es ihnen zustünde. Das Weihnachtsfest 2014 kann Gelegenheit sein, den Ehrenamtlichen zu danken, ihnen eine Stimme zu verleihen.

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