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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Sebastian Edathys Auftritt vor der Presse Die Reinwaschung Alexandra Jacobson, Berlin

Bielefeld (ots) - Er hat seine Heimat verloren, ist politisch verbrannt und räumt sogar Fehler ein: Sebastian Edathy rührt kurz vor Weihnachten mächtig die Mitleidstrommel. Doch als verfolgte Unschuld eignet sich der ehemalige SPD-Abgeordnete nicht. Denn er nutzte seinen Auftritt vor der Presse auch zur Reinwaschung. Moralisch falsch, aber juristisch legal sei die Bestellung der Filme und Fotos gewesen. Da fragt man sich, warum das so viele Staatsanwaltschaften ganz anders sehen und warum er sich überhaupt demnächst wegen des Besitzes von Kinderpornographie vor Gericht verantworten muss. Das Mitleid mit Edathy hält sich auch deshalb in Grenzen, weil er nicht in der Lage ist, sich in die Opfer seiner verwerflichen Neigungen hineinzuversetzen. Dass die Kinder, die für die angeblich harmlosen Filme aus Kanada benutzt wurden, schwer traumatisiert sind, belegen mehrere exzellente Berichte und Dokumentationen zweifelsfrei. Ist Edathy von Parteifreunden gewarnt und über den Stand der Ermittlungen informiert worden? Dieser Verdacht ist auch deshalb so gravierend, weil er das Gefühl befördert, für die politische Klasse herrschten Sonderregeln. Dass alle Politiker kungeln, tricksen und täuschen, ist natürlich Unfug, aber diese Vorurteile werden durch solche Einzelfälle genährt. An Edathys Glaubwürdigkeit bestehen Zweifel. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass seine Schilderung der Abläufe eine gewisse Plausibilität besitzt - vor allem, weil er sie teilweise durch seine SMS-Kommunikation belegen kann. In Not bringt er seinen Parteikollegen Michael Hartmann und den gerade pensionierten Ex-BKA-Chef Jörg Ziercke. Für diese beiden dürfte die Edathy-Affäre mit dem gestrigen Tag nicht ausgestanden sein. Die SPD-Spitze ist dagegen juristisch aus dem Schneider, auch wenn Thomas Oppermann im Zwielicht erscheint. Aber dass der SPD-Fraktionschef in der Affäre ganz und gar keine gute Figur macht, war schon im Februar klar. Da hat Oppermann durch eine Pressemitteilung den Rücktritt von Minister Hans-Peter Friedrich ausgelöst.

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