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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Es bleibt beim G8 Mehr Ehrlichkeit Bernhard Hänel

Bielefeld (ots) - Es bleibt beim Abitur nach acht Jahren am Gymnasium (G8). Doch der Turbo soll gedrosselt werden. Und das ist gut so. "Rin in die Kartoffeln und raus aus die Kartoffeln" war viel zu lange Brauch in der Schulpolitik in NRW. Durch Rückschritt kommt man eben nicht nach vorne. Vorwärtsweisend sind die Beschlüsse des Runden Tisches allemal. Vieles soll optimiert werden, ohne dass das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Das reicht von der Unterrichtsorganisation bis zu einer moderneren Lernkultur. Dazu gehören Details wie weniger Hausaufgaben, Klassenarbeiten und Nachmittagsunterricht an Schulen, die keine Ganztagsgymnasien sind. Beschließen kann das nur der Landtag. Umsetzen aber müssen es die Lehrer. Deren Begeisterung dürfte sich in Grenzen halten. Auf sie kommt weitere Arbeit zu, denn die erwartete Optimierung kommt nicht im Handumdrehen. Zudem sind Lehrerinnen und Lehrer, nicht nur an den Gymnasien, durch die Beschlüsse zur Inklusion erheblich gefordert. Wenn zu viel auf einmal verlangt wird, kann auch manches schiefgehen. Darum sollte Schulministerin Löhrmann und der gesamte Landtag das Reformtempo verlangsamen. Gut Ding will eben Weile. So klug die Empfehlungen des Runden Tisches auch sind, sie beinhalten im Kleingedruckten Veränderungen, die nicht allen bewusst sind. So soll von den Gymnasien künftig eine innere Differenzierung erwartet werden. Das kann, mit anderen Worten ausgedrückt, zu einer Schülerschaft führen, die nicht zielgleich aufs Abitur vorbereitet wird. Dies war und ist die Aufgabe der Gymnasien. Wer das ändern will, soll es laut sagen, statt die Schulform stickum zu einer zweiten Gesamtschule umzubauen. Es geht um Ehrlichkeit und Transparenz. Dies gilt auch für die Befürworter von G9. Den Besuch der Halbtagsschule können sich Kinder aus privilegierteren Elternhäusern jedenfalls eher leisten, als alleinerziehende Mütter oder Eltern, die auf den Verdienst beider Elternteile angewiesen sind.

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