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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Wowereit tritt zurück Und das ist auch gut so BERNHARD HÄNEL

Bielefeld (ots) - Unter seiner Führung ist Berlin zur Metropole geworden. "Arm, aber sexy" nannte der gebürtige Berliner seine Heimatstadt und beschrieb damit trefflich die Befindlichkeit ihrer Bürger. Klaus Wowereit repräsentierte in seinen Glanzzeiten nicht nur die Berliner, er gab ihnen Selbstvertrauen und Zuversicht. Dafür wurde er geschätzt - in Berlin, Deutschland und der Welt. Zweifellos hat Wowereit sich auch verdient gemacht um Berlin. Er hat den Bankenskandal gemeistert und Schulden abge-baut. Auch ohne Subventionen schaffte die Stadt einen ansehnlichen Wirtschaftsaufschwung. So gesehen auch gute Jahre, die mit dem Outing seiner Homosexualität ("Und das ist auch gut so") begonnen hatten. Doch der Lack ist ab. Nichts ist dem einstigen Politstar in den letzten Jahren gelungen. Der Bau des Großflughafens BER geriet zur Lachnummer, die Planungen für die künftige Nutzung der Flughäfen stoßen ebenso auf Ablehnung wie die 300 Millionen teure neue Landesbibliothek. Zudem wächst die Sorge, dass das wiederaufgebaute Schloss als Betonklotz in Berlins Mitte steht, weil der Förderverein die zugesagten Spenden für die historische Fassade nicht zusammenbekommt. Wowereits Rücktritt war überfällig. Die Berliner waren seiner leid. Sie wollten sich und ihre Stadt nicht in Mithaftung sehen für Pleiten, Pech und Pannen des Regierenden Bürgermeisters. Und seine Partei ertrug ihn nur noch, statt ihn zu tragen. Es spricht Bände, dass nur wenige Minuten nach Wowereits Rücktrittserklärung sowohl SPD-Fraktionschef Raed Saleh wie auch Landesparteichef Jan Stöß ihren Hut für die Nachfolge in den Ring warfen. Provinzfürsten ohne Strahlkraft. Sie bestätigen den miserablen Ruf, den die Berliner Genossen in der Bundes-SPD genießen. Parteichef Sigmar Ga-briel wird nichts unversucht lassen, ein gewichtiges Wort mitzureden bei der Suche nach einem Nachfolger, der sich 2016 zur Wiederwahl stellen muss. Dümpelt die Berliner SPD weiter bei 20 Prozent, könnte es in Berlin zu einer schwarz-grünen Koalition kommen. Das wäre ein verheerendes Signal für die ein Jahr später stattfindende Bundestagswahl, das den erhofften Erfolg des missmutigen Gangs in die Große Koalition zunichtemachen würde.

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