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Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Kriegsgefahr Diplomaten an die Front BERNHARD HÄNEL

Bielefeld (ots) - Die NATO spricht von einer gefährlichen Lage in der Ukraine und an ihrer Grenze zu Russland. Angesichts der widersprüchlichen Berichte könnte man ebenso die Lage als unübersichtlich bezeichnen. Auf jeden Fall ist die Situation äußerst brisant. Eine Grundeigenschaft von Bürgerkriegen ist, dass sie unübersichtlich sind. Die Linien sind unklar, die Formationen asymmetrisch. Auf der einen Seite eine mehr oder weniger geordnete Armee, auf der anderen mehr oder weniger offensichtlich von einer auswärtigen Macht unterstützte Separatisten. Dazwischen sind, wie immer, wenn geschossen wird, hilflose Zivilisten, Alte, Kranke, Frauen und Kinder. Militärisch läuft Kiews Offensive gegen die Separatisten überraschend erfolgreich. Verlorene Gebiete können mit Kampf zurückerobert werden. Herzen nicht. Mit jedem zivilen Opfer und mit jedem zerstörten Haus wächst zusätzliche Feindschaft. Militärisch ist dieser Konflikt nicht zu lösen. Seit der Unabhängigkeit der Ukraine ist es Kiew nicht gelungen, aus Russen Ukrainer zu machen. Ohne Not wurden immer wieder Anlässe geschaffen, die die Menschen in der Ukraine in die Arme Moskaus trieben. Ein Leichtes für Präsident Putin, sich als Schutzherr zu präsentieren. Zudem spielte Moskau auf der aus Sowjetzeiten bekannten Klaviatur des Umsturzes: Hilferufe von vermeintlich Verfolgten, Infiltration militärischer und politischer Führungskräfte, logistische und militärtechnische Ausrüstung. Hundert Jahre nach dem politisch herbeigeführten Ausbruch des Ersten Weltkriegs sollte die Menschheit klüger sein. Putin mag an Realitätsverlust leiden und volles Risiko gehen wollen. Um so realistischer muss der Westen die Lage beurteilen. Es gilt Grenzen aufzuzeigen; gegenüber Moskau und gegenüber Kiew. Das stete Drehen an Eskalationsschrauben muss durch Phantasien über Deeskalation ersetzt werden. Beiden Seiten muss geholfen werden, Strategien aus dem Konflikt zu finden. Diplomaten an die Front.

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