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Neue Westfälische (Bielefeld): Bundespräsident Joachim Gauck in Griechenland Reichtum trifft Armut Stefan Schelp

Bielefeld (ots) - Für Bundespräsident Joachim Gauck ist es kein leichter Gang. Das Staatsoberhaupt des prosperierenden Exportriesen besucht das europäische Armenhaus Griechenland. Reichtum trifft bittere Armut. Die Griechen erleben bereits das siebte Jahr eines geradezu biblischen Niedergangs. Die Wirtschaft kommt nicht auf die Beine, ganze Bevölkerungsschichten verarmen, die Not ist erschütternd. Deutschland gilt als Verursacher der griechischen Tragödie, nur zu gut erinnern wir uns an die Plakate, auf denen die Bundeskanzlerin mit Hitlerbart verunstaltet war. Da kann sich niemand wundern, dass die Griechen mit Nachdruck Reparationsleistungen einfordern als Wiedergutmachung für die Ausbeutung Griechenlands durch Nazideutschland. 100 Milliarden Euro wollen die Griechen. Eine gigantische Summe ist das. Sie könnte die Not lindern, wenn sie denn bei den Notleidenden ankäme - die Not auch beseitigen könnte aber auch dieser Batzen Geld nicht. Joachim Gauck kann auf diese Forderung nicht eingehen. Die deutsche Rechtslage steht dagegen, der Bundespräsident würde sich in seiner deutschen Heimat im wahrsten Sinne des Wortes ins Unrecht setzen. Aber Gauck kann seine ureigenen Stärken einsetzen. Er kann und wird Mitgefühl vermitteln, wenn schon nicht mit Taten, dann mit Gesten. Mit Staatspräsident Papoulias besucht Gauck heute den nordwestgriechischen Ort Lingiades, wo deutsche Truppen 1943 ein Massaker an 80 Menschen verübten. Er erkennt damit deutsche Schuld an. Das ist seine Art, Mitgefühl zu vermitteln. Diese staatstragenden Auftritte sind die Stärke dieses Bundespräsidenten. Dafür können wir uns nichts kaufen, werden ihm die Athener entgegenrufen. Und von dem Erinnerungsfonds, den Gauck angeregt hat, werden sie nicht satt. Aber immerhin hilft der Gauck-Besuch , das Bild vom arroganten, geldgierig-rücksichtslosen Deutschen zu korrigieren. Und das ist in diesen Zeiten schon eine Menge.

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