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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Zuwanderung auf Rekordniveau Gastfreundlichkeit statt Generalverdacht Miriam scharlibbe

Bielefeld (ots) - Minister freuen sich, wenn sie Rekordwerte verkünden dürfen. Zahlen sollen dem Bürger zeigen, wie gut es die Politiker verstehen, Probleme zu lösen. Unangenehm wird es, wenn sich die Minister selbst nicht sicher sind, ob sie sich über die Zahlen freuen sollen. Dann wird relativiert, abgewogen und im Zweifel ein vorsichtig positiver Trend verkündet. Dass 2012 so viele Menschen nach Deutschland gekommen sind wie schon seit 1995 nicht mehr, sei in Zeiten des Fachkräftemangels gut, heißt es. Gleichzeitig wird die Zahl der Asylbewerber hervorgehoben und hitzig über Arbeitnehmerfreizügigkeit debattiert, die seit Januar in der EU für Rumänen und Bulgaren gilt. Etablierte Politiker beschweren sich über arbeitslose Zuwanderer, die Sozialleistungen bekommen. Vor diesem Hintergrund wirkt der Optimismus von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) unglaubwürdig. Die Regierung wähnt sich auf einem guten Weg - und blendet dabei Wirklichkeit und Verantwortung aus. Deutschland muss in der Migrationspolitik endlich eine klare Position finden. Um Fachkräfte werben, aber Sozialleistungen verweigern funktioniert nicht. Anstatt sich über Zuwanderer zu mokieren, die Hartz IV beziehen, sollten die Volksvertreter lieber die Fehler im Bildungssystem beheben. Denn neben den Fachkräften, die in Deutschland Arbeit gefunden haben, gibt es auch zahlreiche Zuwanderer, deren akademische und Berufsabschlüsse hier nicht anerkannt werden. Wir sollten Gastfreundlichkeit beweisen, anstatt jeden unter Generalverdacht zu stellen. Nur so können weiterhin Vorurteile abgebaut werden. Denn noch immer zählt die Herkunft oft mehr als die Leistung. So musste sich eine Kollegin, deren Vater aus Syrien stammt, nach einem zweistündigen Gespräch fragen lassen, ob sie eigentlich einen Migrationshintergrund habe. Sie ist in Deutschland geboren, hat hier studiert und beherrscht die Sprache als Journalistin vermutlich besser als viele andere. Darum verdeutlicht so eine Frage - selbst ohne böse Absichten gestellt -, wie weit wir noch davon entfernt sind, die kulturelle Vielfalt in unserem Land als Selbstverständlichkeit zu betrachten - und als etwas Gutes, von dem wir alle profitieren.

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