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Neue Westfälische (Bielefeld): Betreuungsgeld Förderung statt Heimprämie HEIKO KAISER

Bielefeld (ots) - 150 Euro Betreuungsgeld für alle, die ihr Kind lieber zuhause erziehen wollen, statt es in die Kita zu geben. Elterliche Liebe statt staatlicher Fürsorge also - das klingt gut. Ist es aber nicht. Die Idee, den Eltern die freie Wahl zwischen Kindertagesstätte oder eigener Betreuung zu lassen, setzt ein durch und durch positives Elternbild voraus. Es unterstellt, dass die Erziehungsberechtigten ihre Entscheidungen stets am Wohl ihrer Kinder orientieren. Die Erfahrungen allerdings spiegeln eine andere In Thüringen, wo das Betreuungsgeld bereits gezahlt wird, entschieden sich vor allem Mütter aus sozial schwachen Familien gegen den Beruf und für die Betreuung des Kindes. Dabei ist es unbestritten, dass gerade Kinder aus diesen sogenannten bildungsfernen Schichten von einer frühen Förderung in Kindestagesstätten und Krippen besonders profitieren. Die Barmer Ersatzkasse gab Anfang des Jahres bekannt, dass heute bei jedem dritten sechsjährigen Kind die Sprachentwicklung gestört ist. Weil in den Familien zu wenig gesprochen wird, weil elektronische Medien den zwischenmenschlichen Austausch ersetzen, sagen Experten. Kindern, die unter solchen Bedingungen aufwachsen, ist mit Betreuungsgeld für die Eltern wenig geholfen. Sie brauchen soziale Kontakte, Erzieherinnen, die diese Defizite auffangen. Das ist längst auch bei der Regierung angekommen. So sind inzwischen Teile der CDU und der FDP gegen die Einführung des Betreuungsgeldes. Lediglich die CSU beharrt mit Blick auf konservatives Wählerklientel stur auf die im Koalitionsvertrag beschlossene Heimprämie. Ein Staat, der schon jetzt einen Fachkräftemangel beklagt, kann es sich einfach nicht leisten, viele Kinder nicht optimal zu fördern. Die Konsequenzen wird man in einigen Jahren zu spüren bekommen. Auch in Bayern.

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