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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Wettstreit der Systeme Die Geschichte endet nicht CARSTEN HEIL

Bielefeld (ots) - Es gibt nichts umsonst in der rauen Welt der Wirtschaft und der Politik. Deshalb sollten die Europäer vorsichtig sein, wenn sie die Angebote prüfen. Die Chinesen werden Italien und anderen Schuldnerländern der Euro-Zone finanziell nur beispringen, wenn sie etwas dafür bekommen. Geld und Devisenreserven hat Peking im Überfluss. Was fehlt, ist Anerkennung und freie Hand nach innen und außen. Am liebsten wäre es ihnen, der Welthandel liefe ausschließlich nach ihren Vorstellungen und der Westen spräche die Menschenrechtsverletzungen in China nicht mehr an. Doch erst gestern sind vier Muslime der unterdrückten Uiguren hingerichtet worden. Das Recht und die Pflicht, gegen solchen Verhältnisse zu protestieren, darf sich Europa nicht abkaufen lassen. Aber wie kommt es überhaupt dazu, dass China - bis gestern von den meisten Menschen im Westen noch als rückständig belächelt - plötzlich den Retter aus der Schulden-Not abgeben kann? Ist das autoritäre Regime des Staatskapitalismus, in dem nur wenige darüber bestimmen, was die Mehrheit machen muss, doch dem demokratischen Modell des Westens überlegen? Nach dem Fall des eisernen Vorhanges meinten westliche Demokraten schon, endgültig den Sieg über Kommunismus und Totalitarismus errungen zu haben. Man sprach bereits vom Ende der Geschichte. In Wahrheit wurden dadurch jedoch nur die Bedingungen für eine einschneidende Entwicklung geschaffen: für die Globalisierung. Die Gefahren erkannte niemand. In Siegerlaune häuften nahezu die gesamte EU und die USA gigantische Schuldenberge an, die nun nicht mehr zu bewältigen sind. Die Chinesen dagegen machten sich die Globalisierung zu Nutze und stehen heute als Gewinner da. Es sind übrigens nicht nur die gern gescholtenen westlichen Politiker, die für die Mega-Schulden verantwortlich sind. Auch das Wahlvolk trägt Mitverantwortung. Regierungen, die schmerzhafte Reformen durchzogen wurden abgewählt, Politiker, die keine Wohltaten versprachen, hatten keine Chance. Doch so aussichtslos die Lage der westlichen Welt heute scheint, auch sie ist nur eine Momentaufnahme. Die Geschichte geht nicht zu Ende. China wird nicht übermächtig bleiben. Auf die Führung in Peking kommen dramatische Probleme zu. Die soziale Spaltung des Riesenreiches ist enorm und stellt eine Zerreißprobe dar, die Umweltverschmutzung kann dazu führen, dass gigantische Kosten auf das Land zu kommen, die demografische Entwicklung ist durch die Ein-Kind-Politik desaströs, die Unterdrückung der Massen kann keine dauerhafte, gesunde Entwicklung garantieren. Trotz rasanten Wachstums ist China längst nicht auf Westniveau. Demokratie ist anstrengend und langsam. Sie fordert Verzicht von einigen, um sich zu einigen. Nur wenn die Demokraten einig sind und Einzelinteressen zurückstellen, werden sie diese Krise überstehen. Einig können sie auf Augenhöhe mit China über Finanzen genauso reden wie über Menschenrechte.

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