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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Christian Wulff in der Türkei Eindrucksvoll ALEXANDRA JACOBSON, BERLIN

Bielefeld (ots) - In unserer schnelllebigen Zeit gibt es die Unsitte, ganz schnell den Stab über Menschen zu brechen. Der neue Bundespräsident Christian Wulff mag in seinen ersten hundert Tagen nicht alles richtig gemacht haben. Wie könnte es auch anders sein. Aber sein Auftritt in Ankara zeigt eindrucksvoll, dass er es durchaus versteht, das Amt überparteilich und würdevoll auszufüllen. Dass Wulff im Parlament in Ankara von den Türken allgemein Religionsfreiheit und konkret mehr Toleranz gegenüber dem Christentum einforderte, mag für die Gastgeber ein schwer zu schluckende Kröte gewesen sein. Davon zeugten schon die vielen leeren Plätze im Parlament. Aber die Worte waren absolut richtig. Dass das Christentum zur Türkei gehört, ergänzt inhaltlich geradezu perfekt die Rede, die Christian Wulff in Bremen zum Tag der Deutschen Einheit gehalten hatte. Dort hatte er den Islam als ein Teil Deutschlands bezeichnet und war damit auf herbe Kritik gestoßen. Wulff hat in der Türkei bewiesen, dass er politisch heikle Dinge offen anspricht. Und er versteht es, Defizite sachlich zu benennen - ganz ohne Schaum vor dem Mund. Wulff nimmt seine Rolle als Staatsoberhaupt mit Trennschärfe, Distanz und Überblick wahr. Er lässt sich nicht zur dumpfen Ausländerschelte verleiten, aber er schwelgt auch nicht platt in Multi-Kulti-Seligkeit. Für die Türkei stellt die Forderung nach einer gleichwertigen Behandlung von anderen, nicht-islamischen Religionsgemeinschaften offensichtlich noch ein gewisses Problem dar. Doch die Menschenrechte sind universell und sollten in allen Ländern Gültigkeit besitzen. Ganz besonders aber in einem Land, das der EU beitreten möchte. Aber die Türkei hat in den vergangenen Jahren schon manches Hindernis beiseitegeräumt. Deshalb wäre es falsch, die Tür einfach zuzuziehen.

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