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Neue Westfälische (Bielefeld): Rentendebatte Ideologischer Streit CARSTEN HEIL

Bielefeld (ots) - Es ist in jedem Fall richtig, die Debatte um eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit intensiv zu führen. Und es ist richtig, sie rechtzeitig, nämlich heute, zu führen. Millionen Arbeitnehmer wollen ihre Lebensplanung darauf einstellen, wie lange sie arbeiten müssen und mit welchen Ruhestandsbezügen sie rechnen können. Als die Große Koalition mit ihrem Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) das Rentenalter vor einigen Jahren schrittweise von 65 auf 67 Jahre heraufgesetzt hat, fand diese Debatte nicht statt. Das hat der SPD bitter wehgetan. Nach parteiinternen Analysen ist die "Rente mit 67" ein Grund für den Niedergang der Genossen. Jetzt erholen die sich, weil sie unter anderem diesen Beschluss wieder in Frage stellen. Die aktuelle Renten-Auseinandersetzung läuft jedoch nicht auf der Basis von sachlicher Argumentation, sondern entlang ideologischer Gräben. Wenn der Experte Michael Hüther von einem Institut, das den Arbeitgebern nahesteht, das Wort ergreift, weiß jeder vorab, dass er für eine noch spätere Rente plädiert. Äußert sich die Gewerkschaft, geht es in die andere Richtung. Das Problem ist, dass die individuelle Lebens- und Arbeitswirklichkeit so unterschiedlich ist, dass ihr mit einer pauschalen Rentendebatte und Rentenregelung nicht beizukommen ist. Natürlich gibt es Menschen, die in der Lage sind, bis zum 70. Geburtstag zu arbeiten, und das auch gern täten. Andere sind dagegen mit 55 völlig am Ende. In einigen Branchen findet ein 60-Jähriger gar keinen Job mehr, in anderen werden händeringend erfahrene Fachkräfte gesucht. Statt eine Diskussion allein über die Zahlen zu führen, sollten die Fachleute lieber darüber streiten, wie ein differenzierter und dennoch halbwegs gerechter Ausstieg aus dem Berufsleben zu bewerkstelligen ist, ohne die Rentenversicherung zu überfordern.

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