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Neue Westfälische (Bielefeld)

Neue Westfälische: Neue Westfälische, Bielefeld: KOMMENTAR Älter, weniger, bunter - Demographie in OWL Es muss etwas geschehen THOMAS SEIM

Bielefeld (ots)

Wenn die Schützenvereine beginnen, sich darüber
zu sorgen, dass Schießen und Feiern allein nicht mehr ausreichen 
könnten, um die Zukunft zu sichern; wenn Städte klagen, sie bräuchten
mehr Babys in der Stadt; wenn Dörfer fürchten auszusterben, weil auch
die Alten nicht mehr bleiben; wenn die Wirtschaft klagt, es gebe 
nicht mehr genügend Fachkräfte in der Region; wenn im Schweiße der 
Familie gebaute Einfamilienhäuser an Wert verlieren, weil niemand 
mehr in die Region zieht; wenn Pfarrer sich sorgen, dass ihre Glocken
künftig nicht mehr läuten könnten - dann gibt es Risse in der heilen 
Welt von Ostwestfalen-Lippe.
Wir haben in den vergangenen zwei Wochen in weit über 30 Beiträgen 
alle diese Fragen aufgeworfen und dazu Zahlen und Erkenntnisse über 
den dramatischen Bevölkerungsrückgang in unserer Region 
zusammengetragen. Welche grundsätzlichen Bedenken man auch immer an 
statistischem Zahlenwerk haben mag - eines ist jedenfalls an dieser 
Bevölkerungsbilanz deutlich geworden: Wir haben ein Problem. Der 
Bevölkerungsrückgang in der Region, insbesondere in der ländlichen 
Region, wird aller Wahrscheinlichkeit nach in den kommenden 20 Jahren
sehr hoch sein.
Mit Pillenknick und einem generellen Bevölkerungsrückgang, der dem 
Wohlstand und der Lebens- und Genusssucht der Menschen geschuldet 
ist, lässt sich das allein nicht erklären. Denn Ostwestfalen-Lippe 
wird nach allen Berechnungen erheblich mehr Menschen verlieren als 
beispielsweise das übrige NRW. Während die Bevölkerung landesweit um 
3,7 Prozent bis 2030 zurückgeht, werden in OWL zum gleichen Zeitpunkt
5,6 Prozent weniger Menschen leben. Das ist eine um zwei Drittel 
höhere Quote. Es muss also etwas geschehen.
Zur Trübsal indes besteht noch lange kein Grund. Denn auch dies haben
unsere Recherchen, Reportagen und Gespräche deutlich gemacht: Die 
Menschen in OWL haben begonnen, ihr Leben neu und anders zu 
organisieren. Alte Menschen mögen früher gehäkelt haben, heute 
kümmern sie sich immer stärker um ihre Enkel, entlasten ihre 
berufstätigen Kinder und tragen zur frühkindlichen Bildung bei. 
Sogenannte Mehrgenerationenhäuser lassen einen Hauch von früher 
selbstverständlich gelebter Solidarität zwischen Jung und Alt wieder 
auferstehen. Senioren gründen Wohngemeinschaften, Händler und 
Geschäfte richten sich auf ihre älter werdende Kundschaft ein. 
Landwirte werden zu Energiewirten. Menschen aus anderen Regionen 
Europas wandern zu. Die Städte liefern sich einen - meist fairen - 
Wettbewerb um die Besten im Land. Es geschieht schon etwas in dieser 
Region. Und das ist gut!
Ob es allerdings reicht, daran gibt es begründeten Zweifel. OWL 
konkurriert mit einflussreichen, leichtfüßigen, auch stärkeren 
Regionen in Europa. Um dort zu bestehen, braucht es neue, zusätzliche
Kraftanstrengungen. Von der Politik. Von der hier traditionell 
verantwortungsbewussten heimischen, meist mittelständischen 
Wirtschaft. Und von jedem Einzelnen von uns. Es wird etwas geschehen 
- müssen!

Pressekontakt:

Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

Original-Content von: Neue Westfälische (Bielefeld), übermittelt durch news aktuell

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