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Landeszeitung Lüneburg: zu Köhler:

Lüneburg (ots) - Horst Köhler erfreut sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit und Wertschätzung. Das mag auch daran liegen, dass mit ihm vor sechs Jahren ein Nicht-Politiker ins höchste Staatsamt gelangt war, der sich nicht einfach vor die Parteienkarren spannen ließ -- auch nicht vor den der CDU, deren Mitgliedsbuch er besitzt. Ein ums andere Mal las der Bundespräsident Parteien, Politikern -- und auch der Regierung die Leviten. Ausdruck von Unabhängigkeit, die viele Bürger im Politikgeschäft mit seiner Parteien- und Fraktionsdisziplin, mit seinem Geschacher um Posten und Pöstchen schmerzlich vermissen. Vermutlich würde ein ausgewiesener Politprofi auf Kritik, mag sie auch teils unberechtigt, teils böswillig sein, nicht so dünnhäutig reagieren, wie Köhler das nun tut. Mancher mag seine Reaktion daher für übertrieben halten -- in ihrer Konsequenz kommt sie freilich dem Rückzug Margot Käßmanns vom Bischofsamt recht nahe. Die indirekte Unterstellung, den Boden des Grundgesetzes mit unglücklichen Interview-Äußerungen verlassen zu haben, lässt ihm keine andere Wahl -- jedenfalls nach seinem Verständnis vom Amt des Staatsoberhauptes. Vielleicht hat für ihn der ,,Spiegel"-Artikel unter der Überschrift ,,Horst Lübke" den letzten Anstoß gegeben. Die Anspielung des Nachrichtenmagazins auf den zweiten Bundespräsidenten Heinrich Lübke, der während seiner Amtszeit kein Fettnäpfchen ausließ, dürfte den 67-Jährigen allemal getroffen haben. Auf eine Stufe gestellt zu werden mit dem Sauerländer, der Ansprachen schon mal mit der Anrede ,,Meine Damen und Herren, liebe Neger" begann, war offenbar zu viel -- letzter Kick für einen Abgang, den Köhler so nicht verdient hat. Mag sein, dass der Kanzlerin nun selbst himmelangst wird: War Köhlers Amtsübernahme einst Grundlage für ihr späteres Projekt Schwarz-Gelb, so könnte nun sein Abgang das schwarz-gelbe Ende einläuten. Angela Merkel fliegen die Prob"leme nur so um die Ohren -- mit der eigenen Partei, mit dem Koalitionspartner, mit ihrer Regierung und nicht zuletzt mit den europäischen Partnern. Von Euro-Krise und Sparzwang ganz zu schweigen. Der angekündigte Rückzug Roland Kochs setzte erst unlängst ein Alarmsignal für sie. Das Ausscheiden Horst Köhlers lässt spätestens jetzt alle Alarmglocken schrillen.

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