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Ostsee-Zeitung: Wir sind Ratzinger - Kommentar zum Papst-Besuch in Israel

    Rostock (ots) - Joseph Ratzinger macht als Benedikt XVI. in seiner gewundenen, oft nur Eingeweihten verständlichen Redeweise "eine wahnwitzige neuheidnische Rassenideologie" verantwortlich für den "staatlich geplanten und systematisch ins Werk gesetzten Versuch der Auslöschung des europäischen Judentums". In Israel vernimmt man dies überdeutlich. Gerade vom deutschen Papst, der einmal Hitlerjunge war und 1943 als Flakhelfer eingesetzt wurde, müsste doch Persönlicheres zu hören sein als gestanzte Sätze. Wie war das damals für ihn und seinesgleichen, als die Juden abgeholt wurden? Empfindet er als Deutscher, der diese Zeit bewusst miterlebt und vermutlich miterlitten hat, heute noch Schuld oder Scham?

    Im Papstbesuch in Israel steckt auch eine Botschaft an das deutsche Publikum - zur Demut. Wir Zuhausegebliebenen schauen uns die schwierige Mission des katholischen Oberhauptes zurzeit mit einer Mischung aus Skepsis und lustvollem Gruseln vor dem nächsten Fehltritt des Mannes aus Rom an. Doch er vertritt nicht nur seine Kirche und seine Schäfchen, sondern, mehr noch als seine Vorgänger, auch sein Herkunftsland. "Wir sind Papst", hieß der beschwipste, aber in Deutschland mit großer Begeisterung aufgenommene Slogan nach der Papstwahl 2005. "Wir sind Ratzinger" müssen wir uns heute gefallen lassen.

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