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Ostsee-Zeitung: OSTSEE-ZEITUNG Rostock zu Fracht

    Rostock (ots) - Dass russische Grenztruppen nicht lange fackeln, weiß die Welt spätestens seit September 1983. Damals schoss ein Abfangjäger einen vollbesetzten südkoreanischen Jumbo ab, der in sowjetischen Luftraum eingedrungen war. Diesmal wurde ein chinesischer Frachter von einem russischen Kreuzer vor Nachodka versenkt. Acht Seeleute sind tot. Wildwest im Fernen Osten! Dennoch könnte der Unterschied nicht größer sein: 1983 ging durch südkoreanische und westliche Medien ein Schrei der Empörung, diente der Abschuss als Beispiel einer inhumanen Militärdoktrin. Diesmal mühen sich Peking und Moskau erkennbar um Mäßigung. Schaum vorm Mund ist nicht. Das hat triftige Gründe: Russland und China schmieden im Rahmen des Schanghai-Abkommens ein strategisches Bündnis als Gegenpol zu Amerikas Einfluss in Zentralasien. Moskau unterstützt Peking in der Taiwan-Frage, beide lassen deutliche Sympathien im Atomstreit für den Iran erkennen, Russland ist Chinas Hauptwaffenlieferant. Ein neuer historischer Vertrag sieht zudem vor, dass Peking russischen Konzernen Milliarden pumpt. Dafür pumpt Russland Millionen von Tonnen Öl nach China. Diesen strategischen Deal setzen beide nicht aufs Spiel - nicht wegen des Todes von acht Seeleuten. Das kann man Realpolitik nennen - oder politischen Zynismus.

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