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Minister bei stern TV: "Es gibt in der Putenhaltung Tendenzen der Qualzucht"

Köln (ots) - Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer machte bei stern TV deutlich, dass es "Tendenzen in der Putenhaltung gibt, die in die Richtung Qualzucht gehen". Denn, so Meyer: "Wir haben massiv Fußballenerkrankungen durch die Deformationen und die Gewichtsverlagerungen der Tiere, und wir haben bei einem Viertel der Hähne Brustblasenentzündungen. Das sind keine Einzelfälle. Das ist systembedingt." In der Putenzucht habe man "jahrelang auf Brustfleisch und in Richtung billig gezüchtet und das Wohl der Tiere aus den Augen verloren."

Scharfe Kritik an den Zuständen in der Putenzucht in Deutschland übte auch Tierschützer Friedrich Mülln: "Die Putenindustrie ist eine kriminelle Organisation." Was sich da abspiele, sei "reine Tierausbeutung", sagte Mülln live im Gespräch mit Steffen Hallaschka. "Das ist eine Maschinerie, die völlig außer Kontrolle geraten ist. Alleine das, was ich letzte Nacht gesehen habe, war so viel Grauen, wie es wahrscheinlich kein Verbraucher jemals sehen wird, der Putenfleisch isst."

Als "Versäumnisse der Vergangenheit" bezeichnete der Präsident der niedersächsischen Geflügelwirtschaft Friedrich-Otto Ripke die Vorwürfe im stern TV-Studiogespräch: "In der Tat sind Entwicklungen notwendig. Aber die sind eingeleitet, und das braucht Zeit." Verantwortlich für die schlechten Mastbedingungen der Puten, deren Fleisch in Deutschland zu Schleuderpreisen verkauft werden, sei aber nicht nur die Geflügelindustrie: "Ich gestehe ein, dass in der Vergangenheit nur auf Leistung geschaut wurde, in diesem Fall auf Fleisch. Das war aber auch dem Markt geschuldet."

Woher kommen die Mastputen in Deutschland?

Mit Blick auf den reißenden Absatz von Putenfleisch in Deutschland und dem Preiskampf der Discounter, die 400 Gramm Filet derzeit für 2,59 Euro anbieten, hatte stern TV zuvor über die Zustände in der Putenmast in Deutschland berichtet - und schockierende Bilder gezeigt: Zu sehen waren Tiere, die dicht gedrängt in den Ställen stehen, viele sind schwer verletzt und können sich aufgrund ihres extrem hohen Gewichts kaum mehr auf den Beinen halten. Denn: Hinter den Tieren liegt häufig eine regelrechte Turbomast von nur 20 Wochen, in denen sie ihr Geburtsgewicht etwa um das 420-fache vervielfachen.

Die gemeinsame Spurensuche von stern TV und Friedrich Müll hatte ergeben, dass nahezu alle Puten in Europa aus dem englischen Zuchtbetrieb Aviagen stammen und zur Sorte BUT 6 gehören. Dass diese Puten-Sorte unter Mästern so gefragt ist, liegt vor allem an der schnellen Gewichtszunahme. So erreicht der Hahn in der kurzen Mast knapp 21 Kilo - 27,5 Prozent davon sind Brustfleisch. Lebensfähig sind die Tiere damit nicht und müssen sofort nach dem Ende der Mast geschlachtet werden, sonst verenden sie von selbst. Etwa acht Prozent der Tiere überleben die Mast gar nicht - das sind etwa 3,2 Millionen Puten im Jahr.

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