PHOENIX

Programmhinweis für Montag, 30. Oktober 2000

    Bonn (ots) -
    
    20.15 Uhr Schwerpunkt
                    Halbzeit - zwei Jahre Rot-Grün
    
    Der Regierungswechsel liegt jetzt zwei Jahre zurück und die
Rot-Grüne Koalition scheint alle Trümpfe in der Hand zu haben.  Bei
den Umfrageergebnissen schneidet das Schröder-Kabinett blendend ab.
Das sah im ersten Jahr noch anders aus, die Personalquerelen um
Lafontaine, Hombach und Schreiner machten sich auch bei der Akzeptanz
der Regierung bemerkbar.  Danach ging es bergauf, nicht zuletzt durch
die Spendenaffäre der CDU. Doch wie sehen die Leistungen  der
Regierung zur Halbzeit aus? Ökosteuer, Atomausstieg,
Rentenkompromiss, Arbeitslosigkeit, Gesundheitsreform und
Familienförderung waren und sind die Prüfsteine der Rot-Grünen
Regierung. Hat Rot-Grün diese Prüfungen bestanden? Sind Themen
vernachlässigt worden? Wie wird es weiter gehen?  

    Martin Schulze diskutiert diese Fragen mit Pressekollegen.
    
    Interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer können sich über die
PHOENIX-Hotline 01802 - 82 17  und per Fax 01802- 82 13 an der
Diskussion beteiligen.
    
    
    9.15 Uhr Zurück ins Leben
                  Behinderte kämpfen um Jobs
    
    Sie fliegen als erste aus der Firma und werden als letzte wieder
eingestellt. Die Folge: 17 Prozent arbeitslose Schwerbehinderte.
Integration - nicht mehr als ein Wort? In Erlangen setzen sich
Behinderte für Behinderte ein. Sie suchen, finden und vermitteln
erfolgreich Ausbildungs- und Beschäftigungsplätze für
Schwerbehinderte im ersten Arbeitsmarkt. Unterstützt wird diese
praktizierte Integration durch die Sozialfonds der EU. Eine Reportage
über eine erfolgreiche Eigeninitiative.
    
    Film von Volker Hürdler
    
    
    10.00 Uhr Sabine Christiansen
                    Politische Talkshow
    
    
    13.30 Uhr Selbstbestimmt leben ...
                    Integration behinderter Menschen
    
    "Behindert ist man nicht, behindert wird man." In der Tat: Die
Gesellschaft macht es sich oft ziemlich einfach und den Behinderten
verdammt schwer. Schon als Kinder werden Behinderte gern aussortiert
und abgeschoben in Sonderschulen, Sondereinrichtungen und Heime. Die
Diskriminierung findet oft unter dem Deckmäntelchen der Fürsorge
statt. Entmündigung und Fremdbestimmung, Abhängigkeit und
Minderwertigkeitsgefühle der Betroffenen sind die Folge.
"Selbstbestimmt leben" - die Dokumentation zeigt an unterschiedlichen
Beispielen, welche Erfahrungen behinderte Kinder und Jugendliche bei
der Wahl der Schule, in der Freizeit und später im Beruf machen,
welchen Schwierigkeiten sie dabei begegnen, welche Unterstützung sie
bekommen. Vorgestellt werden auch Institutionen und Vereine, die neue
Wege gehen. Vieles muss sich noch in den Köpfen ändern, damit
Behinderte nicht länger Menschen sind, die behindert werden.
    
    Film von Hannes Meier (1999)
    
    
    14.00 Uhr Die Nacht, als die Deiche brachen
                    Die Sturmflutkatastrophe 1962 in Hamburg
    
    Am 16. Februar 1962 brach über die deutsche Nordseeküste die
schwerste Sturmflut seit über 100 Jahren herein. Orkanböen von 200
Stundenkilometern und meterhohe Wassermassen ließen die Deiche an der
Küste, an der Elbe und Weser brechen. Am schlimmsten traf die
Flutkatastrophe das 100 Kilometer von der Küste entfernte Hamburg.
Ganze Stadtteile standen unter Wasser, über 300 Menschen kamen ums
Leben. Über 60.000 Bewohner südlich der Elbe wurden obdachlos. Strom,
Gas und Wasser fielen in der Zwei-Millionen-Stadt aus. Die
Dokumentation "Die Nacht, als die Deiche brachen" schildert die
Ereignisse der Sturmflutnacht vom 16. Auf den 17. Februar 1962 und
die Tage danach. Originale Filmaufnahmen werden ergänzt durch
Aussagen von Zeitzeugen. So erzählen der damalige Polizei- und
spätere Innensenator Helmut Schmidt, der ehemalige Ortsamtsleiter von
Wilhelmsburg, ein Hubschrauberpilot und weitere Augenzeugen von ihrer
Arbeit und ihren Eindrücken in jenen Tagen und Nächten. Welche Lehren
Hamburg aus der Sturmflut von 1962 gezogen hat, wie sich Stadt und
Hafen heute, 38 Jahre später, gegen die Flut schützen, ist ebenfalls
Bestandteil der Dokumentation.

    Dokumentation von Barbara Pohlmann
    
    
    Porträt
    19.15 Uhr Tod dem Verräter
                    Der Fall Lutz Eigendorf
    
    Nach dem Freundschaftsspiel bei 1. FC Kaiserslautern am 20. März
1979 bat der sechsfache Fußballnationalspieler der DDR, Lutz
Eigendorf (22) vom Tabellenführer Dynamo Berlin, um politisches Asyl
in der Bundesrepublik. Das große Talent des DDR-Fußballs nutzte einen
Stadtbummel in Gießen zur Flucht. Von diesem Tag an versuchte das
Ministerium für Staatssicherheit auf vielfältige Weise, den
"Verräter" unter Kontrolle zu bringen. Ein Stasi-Spitzel aus Duisburg
kundschaftete Eigendorfs Lebensgewohnheiten in Kaiserslautern aus, wo
er beim 1. FC eine Anstellung gefunden hatte. Die in Ost-Berlin
lebende Ehefrau Gabriele Eigendorf wurde von der Stasi rund um die
Uhr überwacht. Ebenso Lutz Eigendorfs Eltern in Brandenburg. Mielkes
Mannen kümmerten sich um das Wohl der Eigendorf-Gattin und führten
ihr nach einem teuflischen Plan einen Mann zu, der alle Tricks eines
erfolgreichen Stasi-Spitzels beherrschte. Schließlich verliebte sich
Gabriele in den Stasi-Mann, ließ sich von Eigendorf scheiden und
heiratete den Mann, der als inoffizieller Mitarbeiter nur eine
einzige Aufgabe hatte: die Bespitzelung von Gabriele. Lutz Eigendorfs
Fußballkarriere in Kaiserslautern und ab 1982 in Braunschweig war dem
Ministerium für Staatssicherheit in Ost-Berlin bis in alle
Einzelheiten bekannt. Zwei Agenten wurden eigens wegen Eigendorf in
die Bundesrepublik übergesiedelt. Insgesamt vier Spitzel lieferten
den Mfs alle Daten und Fakten über den "Verräter" Lutz Eigendorf, der
nach der erzwungenen Scheidung eine Pfälzerin heiratete. Mielkes
Späher verfolgten Eigendorf auf Schritt und Tritt. Am 5. März 1983
verunglückte der Fußballprofi von Eintracht Braunschweig tödlich. Als
Unfallursache wurden 2,2 Promille Alkohol im Blut angegeben. Der Film
berichtet über das kurze Leben des 26-jährigen Abwehrspielers, der
seine Karriere in Mielkes Fußballclub begann. Im Mittelpunkt des
Films stehen die Jahre 1979 bis 1983. Dokumentiert werden die
Anstrengungen des DDR-Geheimdienstes in der DDR wie auch in der
Bundesrepublik, Lutz Eigendorf "zur Strecke zu bringen". Neue
Dokumente und Zeitzeugenaussagen lassen an der Version zweifeln,
Eigendorf sei wegen Trunkenheit am Steuer tödlich verunglückt.  Zu
Wort kommen Trainer und ehemalige Freunde des Fußballprofis. Ebenso
die beiden Ehefrauen in Berlin und Kaiserslautern. Befragt wurden
auch verantwortliche Stasi-Offiziere. Wie stark und unbehelligt der
DDR-Unterdrückungsapparat in der Bundesrepublik agierte, wird
ausführlich dokumentiert.
    
    Film von Heribert Schwan
    
    
    21.00 Uhr Deutsche Welten
                    Die Türken - oder warum Faruk einen grünen Mercedes
                    fährt
    
    Deutsche Welten: Das sind Film-Expeditionen in die Fremde vor der
eigenen Haustür. Wir reisen nach Zentralafrika, nach Vietnam, in die
Türkei, nach Russland. Für die Fahrt nach Anatolien reicht ein
U-Bahn-Ticket, das alte Saigon liegt nur eine Straßenecke weiter. Und
die Dschungelprinzessin wohnt vielleicht im gleichen Haus. Während
die Politiker erbitterte Diskussionen über ein neues
Einwanderungsgesetz führen, ist Deutschland längst eine schillernde
Bühne fremder Kulturen. Menschen aus aller Herren Länder bauen hier
ihre eigene Welt, streng abgeschottet vom Land, in dem sie leben. Die
Vietnamesen haben mit den Türken so wenig zu tun wie die Afrikaner
mit den Russen. Und von allen zusammen wissen die Deutschen so gut
wie nichts. Deutsche Welten: Das ist eine Reihe, die Türen öffnet in
die Fremde nebenan. Mit dem neugierigen und kritischen Blick eines
Weltreisenden erkunden wir, wie die Wirklichkeit hinter dem Klischee
aussieht. Möglich, dass aus Vorurteilen plötzlich begründete Urteile
werden. Das Träume wie Seifenblasen zerplatzen. Oder dass die Angst
verschwindet, weil Zusammenhänge sichtbar werden. Deutsche Welten:
Das ist ein Film ohne Schönfärberei und Gutmenschen-Romantik.
Realistisch und selbstbewusst. Und mit der nötigen Offenheit für ganz
andere Sichtweisen. Wer in diesem Land lebt, muss seine Bewohner
kennen - die Türken zum Beispiel. Türken in Deutschland, das sind
Malocher im Hamburger Hafen und im Ruhrpott, die kaum Deutsch
sprechen, aber seit dreißig Jahren hier arbeiten. Das sind aber auch
gebildete, eloquente Geschäftsleute, Schauspieler, Ärzte, Politiker,
die sich manchmal noch nicht einmal mehr durch einen leichten Akzent
von ihrer Umgebung unterscheiden. Türken in Deutschland - das sind
Frauen im Kopftuch, die in einer traditionellen Großfamilie leben,
aber auch junge Frauen im Minirock, die nicht mehr wissen, wohin sie
eigentlich gehören. Die Türken - oder warum Faruk einen grünen
Mercedes fährt: Ein Insider-Blick, der vielleicht Empörung,
Zustimmung, Entrüstung, Kopfschütteln auslöst, auf jeden Fall aber -
wie ein Türke sagt - Quantensprünge in deutschen Köpfen bewirkt.
    
    Ein Film von Rita Knobel-Ulrich
    
    
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