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BLOGPOST - Men in Black, Game of Thrones und Schocktherapie: FOMO auf der SXSW

Die SXSW ist wohl das weltgrößte Happening rund um Kommunikation, Medien, Gesellschaft und Technologie. Klaus-Peter Frahm, Business Developer bei news aktuell, war als Speaker dabei und lässt uns an seinen fünf spektakulären Tagen in Austin teilhaben.

Das war sie also, die SXSW. Bis gestern war ich da. Eigentlich geht's noch weiter bis Sonntag, mit Schwerpunkt auf Musik und Film. Aber ehrlich gesagt ich bin ganz froh, wieder hier zu sein. Ich hatte ja keine Ahnung, wie intensiv diese fünf Tage würden. Wobei, gewarnt wurde ich schon. Aber es gibt Dinge, die muss man einfach selbst erleben. Die Southby, wie Besucher nennen, ist so ein Ding.

Insgesamt etwa hunderttausend Menschen, die viertausend Sessions besuchen. Da kann man schon mal den Überblick verlieren. Aber das, sagen die alten Hasen, darf einen nicht aus der Ruhe bringen. Recht haben sie. Schwierig ist es trotzdem. Denn FOMO macht sich breit und wird zur ständigen Begleiterin. Was soll man auch machen, wenn etwa fünfzig Sessions gleichzeitig stattfinden und mindestens fünf davon gefühlte "Must Gos" sind. Die einzige Chance ist, sich treiben zu lassen und die Angst in Mut zu verwandeln. Einige sprachen deshalb scherzhaft von CTMO, also "Courage To Miss Out". Anyway, hier meine Takeaways im Schnelldurchlauf ...

Big Picture

Everything is connected. Gesellschaft, Politik, Kultur, Sport, Jounalismus, Kommunikation, Warfare, Fake News, Wissenschaft, AI, Blockchain, AR, you name it. Klar, das weiß man auch so. Aber nirgendwo sonst wird einem das bewusster als auf dieser Konferenz. Jeder Talk, dem ich lauschen durfte, führte früher oder später von einem konkreten Thema auf mindestens ein abstraktes Konzept, das wiederum die Brücke zu zig weiteren Talks war. Ein gigantisches, komplexes System, in dem wir uns jeden Tag zurechtfinden müssen.

Auf der Southby wurde das sehr konkret, und es wurde offensichtlich, dass der Schlüssel zum Erfolg, ganz gleich auf welcher Ebene, in der Anerkennung und im angemessenen Umgang mit dieser Komplexität liegt. Einfacher gesagt als getan, gewiss, aber wenn wir unsere Fähigkeiten und Handlungen nicht auf dieses Ziel optimieren, wird es künftig noch schwieriger, Schritt zu halten.

Die Ansätze dafür sind interdisziplinärer Austausch, im Kleinen wie im Großen:

- Entwicklung von besseren Strategien für kollaboratives Denken.

- Sicherstellung von Diversity in Teams und Gesellschaft.

- Systematische Vernetzung von Wissen und Können.

Entscheidend dabei ist, dass wir bei uns selbst anfangen, im Kleinen. Dass wir kleine Kurztrips wagen, heraus aus unseren Bubbles.

Austin

Dazu passt ganz gut, was ich über Austin lernen durfte: die texanische Hauptstadt ist seit Jahren DIE Boomtown mit den größten Wachstumsraten in den USA. Und wenn man sich anguckt, was in Austin anders läuft als in anderen, nicht so prosperierenden Städten, dann bemerkt man recht schnell, dass die Austiner Menschen mögen. Und zwar ganz unabhängig davon, woher diese Menschen kommen, wie alt sie sind, welche sexuelle Identität sie haben, welcher Religion sie angehören, welcher Kultur sie sich zugehörig fühlen. Diversity works, das gilt für die Unternehmen, in denen die Menschen arbeiten, und es gilt für das Miteinander in der Stadt, zumindest in Austin. Wer also den Rest der USA great again machen möchte, könnte sich an Austin ein Beispiel nehmen.

Trump

A propos, zwischen den Zeilen war Trump in sehr vielen Panels auf die eine oder andere Weise präsent. Gelegentlich aber auch ganz explizit. Relativ einhellig war dabei die Einordnung der Lage. Leute wie Jake Tapper und Van Jones (beide CNN), aber auch Cory Booker (demokratischer US-Senator) haben in ihren Talks das Phänomen Trump thematisiert. Fazit: Jetzt ist die Zeit gekommen, selbst Verantwortung für den Wahlausgang zu übernehmen und die eigenen Fehler zu korrigieren. Und wieder verstärkt auf Nächstenliebe zu setzen. Vor allem die Sorgen der Trump-Wähler wirklich ernst zu nehmen. Und sich nicht herabziehen zu lassen auf das Niveau der aktuellen Regierung. When they go low, we go high, der Catchphrase von Michelle Obama im Wahlkampf, wurde hier zu einer Art Meme.

Game of Thrones

Ballroom D des Austin Convention Center war bis auf den letzten seiner 2.400 Plätze gefüllt als Sophie Turner (Sansa Stark), Maisie Williams (Arya Stark), David Benioff (Co-Creator) und D. B. Weiss (Co-Creator) auf der Bühne erschienen. Die beiden Frauen übernahmen die Moderatorenrolle und stellen den beiden Schöpfern der Serie viele Fragen, die mehr auf Unterhaltung abzielten als auf Erkenntnisgewinn. Gut so, denn das funktionierte super, der Saal tobte. Es wirkte fast, als würden die vier das jeden Tag machen. Sehr charmant spielten sie sich Bälle zu, manchmal mehrere zugleich, und es fiel mir schwer zu entscheiden, was jetzt schlauer und lustiger war - die Fragen oder die Antworten. Mein Sitznachbar meinte, unentschieden.

Speaking

Highlight war für mich persönlich natürlich mein erster Talk auf der SXSW, eine so genannte Book Reading Session, in der mein Co-Autor Wolfgang und ich unser Buch The Product Field Reference Guide vorstellen können.

Noch schöner wäre es natürlich gewesen, wenn der Dritte im Bunde, Michael, auch dabei gewesen wäre, aber das ließ sich nicht einrichten. Im Anschluss an die Session gab es eine Book Signing Session, in der tatsächlich ein paar Leute in der Schlange standen, um sich das Buch von uns signieren zu lassen. Das fühlt sich gut an, aber auch irgendwie seltsam.

@Fuckjerry

So sehen Medienmogule aus. Vier super lässige, 30-jährige Typen aus NY haben vor ein paar Jahren mit dem Instagram-Account @fuckjerry losgelegt und seither Tausende von viralen Memes geschaffen. Mittlerweile verkaufen sie ihre Reichweite inklusive Kreation und Produktion direkt an große Marken. Tendenz stark steigend. So beeindruckend!

WaPo Tech Stack

Als der Shailesh Prakash, CTO der Washington Post, diese Slide auf den Beamer schickte, war eigentlich alles gesagt!

Neben exzellenten Journalismus ist exzellente Technologie nunmehr gleichberechtigter Treiber des Erfolgs einer Medienmarke. If you ask me, recht hat er!

Men in Black

Es gibt sie wirklich, die Men in Black. Auf einer Panel-Session wurde Will Roper, Direktor der einst geheimen, unabhängigen Innovations-Einheit des Pentagon, Strategic Capabilities Office, interviewt. Sein Anzug war allerdings grau. The Future of Warfare war der Name der Session. Normalerweise interessiere ich mich ja nicht unbedingt für Kriegsführung, aber es ist schon spannend zu lernen, wie hier gedacht und gearbeitet wird. Denn wenn Du wissen willst, welche Technologien sich in Gesellschaft und Wirtschaft durchsetzen werden, dann schau dir an, was das Militär macht, und die Erotikindustrie.

tl;dr

Die Southby ist eine Schockverhaltenstherapie gegen FOMO; Everything is connected, Komplexität ist da und der Umgang mit ihr braucht neue Strategien; Diversity bedeutet Wachstum; Sophie Turner ist die lustigste Schauspielerin, die ich kenne; Speaking auf der SXSW macht echt Spaß; Influencer werden Medienhäuser; Die etablierten Häuser, aber natürlich auch Kommunikationsunternehmen, müssen wesentlich mehr auf Tech setzen; die Men in Black gibt es wirklich; Ich muss da unbedingt hin, auf die SXSW 2018!

Dieser Beitrag ist ein Original-Blogpost aus TREIBSTOFF:

http://treibstoff.newsaktuell.de/sxsw-klaus-peter-frahm-berichtet-aus-austin/

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