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BLOGPOST: Die Infografik von morgen

BLOGPOST: Die Infografik von morgen

Infografiken machen komplexe Sachverhalte greifbar. Worauf Unternehmen bei ihrer Strategie mit visualisierten Informationen achten sollen, haben wir in unserem letzten Beitrag beschrieben ( http://treibstoff.newsaktuell.de/infografiken-kommunikation-im-unternehmen/ ). Heute wollen wir wissen, mit welchen Trends zukünftig zu rechnen ist. TREIBSTOFF hat mit dem Zukunftsforscher Thomas Huber gesprochen.

TREIBSTOFF: Infografiken sind nicht nur bei Medienmachern beliebt, auch Unternehmen setzen zunehmend auf dieses Kommunikationsmittel. Wird sich dieser Trend fortsetzen?

HUBER: Visualisierung von Zusammenhängen wird in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gerade komplizierte Kontexte, etwa große Datenmengen, lassen sich durch die textliche Beschreibung oft nur sehr umständlich darstellen, wogegen eine visuelle Darstellung von den Menschen intuitiv erfasst werden kann. Auch Unterschiede, zeitliche Abläufe und Bezüge sind visuell viel besser zu verstehen als in einem Text.

TREIBSTOFF: Eine Infografik zu verstehen geht schnell. Komplexe Texte zu verstehen geht langsam. Wird das ein Argument für die Smartphone-Generation sein?

HUBER: Definitiv. Die Lesegewohnheiten der Menschen ändern sich durch die zunehmende Nutzung von Bildschirmen als primärem Lesegerät. Weil hier - ganz besonders auf den kleinen Screens der Smartphones und Tablets - lange Texte als ermüdend empfunden werden, braucht es immer mehr visuelle Aufbereitung der Inhalte. Allerdings gibt es auch eine große Konkurrenz für grafisch-visuelle, also zweidimensionale Darstellungen: Noch einfacher zu verstehen sind oft Videos. Im Bereich der Bedienungs- und Montageanleitungen beispielsweise werden Video-Tutorials visuelle Darstellungen in 2-D bald verdrängen.

TREIBSTOFF: Wie steht es dabei um die Ressourcen? Infografiken sind aufwendig.

HUBER: Eine anspruchsvolle Infografik mit mehreren Bezugsebenen muss heute in der Regel noch mit sehr viel Handarbeit erstellt werden und ist dementsprechend eine zeitraubende und teure Angelegenheit. Für die Zukunft ist aber zu erwarten, dass sich hier eine Art Standardsprache etablieren wird, die dann auch Nicht-Grafiker kombinieren und einsetzen können. Die Entwicklung des Roboter-Journalismus, bei dem Softwareprogramme bestimmte Textarten automatisch nach aktuellen Ereignissen erzeugen, wird auch in der Visualisierungssparte für bestimmte Einsatzbereiche in der Zukunft Einzug halten.

TREIBSTOFF: Die Infografik hat immer etwas Objektives, sie kommt ohne Emphase aus. Wird diese Eigenschaft in den Zeiten des "Lügenpresse"- Vorwurfs nicht zunehmend wichtiger?

HUBER: Grundsätzlich haben Visualisierungen nicht mehr oder weniger Wahrheitsgehalt als Texte. Aufgrund ihrer formalen Kraft erzeugen sie aber eine höhere Glaubwürdigkeit beim Leser, denn wir werden als Betrachter kaum in der Kunst geschult, Bilder genauso kritisch zu bewerten wie Texte.

TREIBSTOFF: Die Sprache entwickelt sich kontinuierlich weiter. Verändert unsere multikulturelle Gesellschaft auch die Bildsprache der Infografik?

HUBER: Das ist mit Sicherheit so. Wenn man sich den Einfluss der Migranten über die letzten Jahrzehnte auf die deutsche Sprache ansieht, ist leicht zu ermessen, dass diese Wechselwirkung fortlaufend andauert und auch in den Bereich von Bildern und Visualisierungen hineinwirken wird.

Thomas Huber ist seit 2016 als Director Innovation Strategy bei STURM und DRANG in Hamburg tätig. Der Diplom-Kommunikationsdesigner arbeitet seit 20 Jahren in der Trend- und Zukunftsforschung, mit Schwerpunkten in den Bereichen Mobilität, Lebensstile und Konsumforschung. Zuletzt leitete er als Chefredakteur die redaktionelle Arbeit beim Zukunftsinstitut in Frankfurt am Main.

Dieser Beitrag ist ein Original-Blogpost aus TREIBSTOFF: http://treibstoff.newsaktuell.de/infografiken-trends/

Ursprünglich erschien das Interview mit Thomas Huber im aktuellen dpa-Whitepaper "Sag's mit Grafiken - Komplexe Sachverhalten auf den Punkt bringen" (http://www.presseportal.de/pm/8218/3422390).

Was ist TREIBSTOFF?

TREIBSTOFF ist das Blog der dpa-Tochter news aktuell. Es geht dort um die Themen Kommunikation, Pressearbeit und Social Media. Und manchmal auch um news aktuell selbst. Welche Trends, welche Apps, welche Themen bewegen Kommunikationsfachleute heute? Wie sieht unser Arbeitstag aus? Was ist wichtig für die Karriere? Best Practice, Interviews und Gastbeiträge warten auf PR-Profis und Pressesprecher. Ein Mal pro Quartal gibt es TREIBSTOFF auch als gedrucktes Magazin.

 
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