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Michel Friedman im HÖRZU-Interview: "Helmut Kohl hat die Gesellschaft entpolitisiert und Gerhard Schröder mit seiner 'Neuen Mitte' auch"

Hamburg (ots) - Er ist einer der wenigen Deutschen, der nie ein Blatt vor den Mund nimmt, in seinen TV-Sendungen stets offensiv seine Meinung sagt - und deshalb oft polarisiert: Michel Friedman, 46, arbeitet als Wirtschaftsanwalt, er gehört dem Rundfunkrat des ZDF an, engagiert sich in der CDU, ist Mitglied des Präsidiums des Zentralrates der Juden in Deutschland, moderiert für den Hessischen Rundfunk die Talk-Show "Vorsicht! Friedman" und seit Januar im Abendprogramm der ARD "Friedman". Am nächsten Mittwoch, 28. März 2001, läuft ab 23.00 Uhr die nächste Ausgabe von "Friedman". Im Interview mit dem Programm-Magazin HÖRZU geht Michel Friedman mit deutschen Politikern hart ins Gericht: "Helmut Kohl hat die Gesellschaft entpolitisiert und Gerhard Schröder mit seiner "Neuen Mitte" auch. So geht es nicht weiter. Wir müssen uns aufregen. Politiker tragen Verantwortung für 80 Millionen Menschen. Es ist wichtig, ihnen auf die Finger zu sehen. Deshalb gibt es auch keinen Grund, sie zu schonen." Auf die Frage, ob er Angst habe, dass ihm aufgrund seiner rabiaten Gesprächsführung irgendwann die Gäste ausgehen, antwortet Friedman: "Mal abgesehen davon, dass es auch eine Ehre sein kann, gemieden zu werden. Letztendlich ist mir die Aufregung um meinen Stil aber fremd, auch wenn er dem Harmoniebedürfnis der Deutschen widerspricht. Ich sehe Deutschland in einer geistigen Krise. Der Banker zählt mehr als der Denker. Die Intellektuellen sind süchtig nach Harmonie - das ist nicht produktiv. In diesem Land gibt es so etwas wie einen Zwangskonsens: Der Kompromiss ist nicht das Ergebnis eines Gesprächs, sondern bereits sein Ausgangspunkt." Im Interview bekräftigt Friedman seinen Vorwurf, Ausländerfeindlichkeit gehöre längst zur Champagner-Society: "Zumindest gibt es eine erschreckende Gleichgültigkeit. Statt Schlagworten wie "Leitkultur" und "Neue Mitte" bedarf es der Einsicht, dass Vielfalt Bereicherung bedeutet. Aber ich glaube daran, dass Menschen lernfähig sind. Sonst könnte ich mit meiner Familiengeschichte nicht in diesem Land leben." Die Eltern von Michel Friedman wurden von Oskar Schindler vor dem Nazi-Regime gerettet. Auch über seine beruflichen Wünsche und Träume äußert sich Michel Friedman: "Ich wünsche mir eine Nachrichtensendung, in der ich jeden Abend die politischen Ereignisse des Tages analysieren kann. 20 bis 30 Minuten lang. Subjektiv. Nicht staatstragend wie gewohnt, sondern pro und contra. Mit aller Leidenschaft, derer ich fähig bin (...) Vielleicht würde ich ja bald abgesetzt. Egal. Ich gebe mich nicht auf. Auch nicht meine Überzeugungen." Außerdem spricht Michel Friedman, der im letzten Jahr vom deutsche Krawatteninstitut zum "Krawattenmann 2000" gekürt wurde, über seinen Hang zur betonten Eleganz: "Mein Vater brachte mir bei, dass man gut angezogen sein muss. Arte hat ein Porträt über mich gedreht. Da gibt es ein Bild aus meiner Kinderzeit: Die Krawatte war so lang, dass ich drauftrat. Aber sie war da. An diesem Punkt werde ich nicht nachgeben. Außerdem besitze ich überhaupt kein Hemd, das man ohne Manschettenknöpfe tragen kann. Ich denke nicht daran, mich aus populistischen Gründen zu verbiegen." Das komplette Interview ist in der aktuellen HÖRZU nachzulesen. Heft 13/2001 ist seit 23. März im Handel erhältlich. Auszüge des Interviews sind unter Quellenangabe HÖRZU zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: Axel Springer Verlag AG Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für weitere Informationen zu HÖRZU steht Ihnen Birgit Mertin zur Verfügung. Telefon: (0 40) 3 47-2 65 22 E-Mail: bmertin@asv.de Original-Content von: Axel Springer SE, übermittelt durch news aktuell

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