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Mittelbayerische Zeitung: Tiefer Eingriff
Kommentar zu Überwachungskameras mit Gesichtserkennung

Regensburg (ots) - Gesicht zeigen, heißt eine Aktion, die seit Jahren zu Zivilcourage und das Eintreten gegen Ausländer- und Fremdenhass eintritt. Ihr Gesicht sollen demnächst jene Reisenden zeigen, die einen stark frequentierten Berliner S-Bahnhof benutzen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière, dem sein CSU-Kollege Joachim Herrmann im Nacken sitzt, lässt dort ein biometrisches Gesichtserkennungssystem testen. Ob die teure Überwachungstechnik wirklich in der Lage ist, aus Tausenden Passanten bestimmte Personen herauszufiltern, ist noch längst nicht klar. Doch die Hoffnung des CDU-Mannes, der vor Jahren bereits mit Body-Scannern an Flughäfen auf die Nase gefallen ist, ist trügerisch. De Maizière verspricht sich das frühzeitige Erkennen von Terroristen, bevor diese Gewalttaten verüben. Sogenannte "Gefährder" würden entdeckt, wenn sie sich brisanten Orten näherten. Doch das Problem der neuen Erkennungstechnik ist weniger technischer Art - aber auch da gibt es eine Menge - sondern liegt in der Natur des heutigen Terrors. Und obendrein wird tief in das Grundrecht der Bürger eingegriffen. Einem Selbstmordattentäter vom Schlage des Berliner Mörders Anis Amri dürfte es egal sein, ob er vor seinem Anschlag noch von einer Kamera erfasst und per Erkennungssoftware identifiziert wird. Auf der anderen Seite erhalten die Behörden unzählige Bewegungsprofile von unbeteiligten Bürgern. Diese Freiheit sollte jedoch nicht der vagen Aussicht auf etwas mehr Sicherheit geopfert werden.

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