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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar (Mittelbayerische Zeitung, Regensburg) zu den Rentenversprechen der SPD, Autor: Stefan Stark

Regensburg (ots) - Je näher Politiker mit dem Rücken zur Wand stehen, umso großzügiger fallen ihre Versprechen aus. Im Lichte dieser Wahlkampfarithmetik lässt sich leicht erklären, warum das SPD-Rentenfüllhorn vor vermeintlichen Wohltaten nur so überquillt: Das Rentenniveau soll nicht unter 48 Prozent sinken, die Beiträge sollen nicht über 22 Prozente steigen. Eine Solidarrente für Geringverdiener soll es geben und niemand soll länger als bis 67 arbeiten. Es klingt wie die Quadratur der auf den Kopf gekippten demografischen Pyramide, die Martin Schulz hier schaffen will. Man reibt sich erstaunt die Augen: Vor kurzem noch wurde vor allem den künftigen Ruheständlern eingetrichtert, dass sie den Gürtel deutlich enger schnallen müssen. Plötzlich erklärt Sankt Martin, der selbsternannte Retter der Rentner, die Fastenaktion für beendet. Schulz will bei der älteren Generation Punkte sammeln. Kein Wunder, denn sie stellt einen immer größeren Anteil unter den Wählern. Mit seiner Strategie könnte die SPD tatsächlich Boden gutmachen. Denn viele werden die Verheißung, dass mit der Rente nun wieder alles im Lot sei, nur zu gerne glauben wollen. Die Sache hat aber einen Pferdefuß: Die Rentenversprechen der SPD werden teuer. Zur Kasse werden vor allem diejenigen gebeten, die noch längere Zeit in Lohn und Brot stehen. Schulz will zusätzliche Milliardensummen umverteilen von Jung zu Alt. Aber spätestens dann, wenn die Konjunktur nicht mehr läuft wie geschmiert, wird aus dem neuen Generationenvertrag, von dem Schulz schwärmt, eine Milchmädchenrechnung. Die Hauptursachen von Altersarmut bleiben jedoch darüber hinaus bestehen: Langzeitarbeitslosigkeit, lückenhafte Erwerbsleben und Billig-Jobs.

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