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Mittelbayerische Zeitung: Zu spät für Trump
Kommentar zum US-Wahlkampf

Regensburg (ots) - FBI-Direktor James Comey hat mit seinem Brief an den Kongress für eine späte "Oktober-Überraschung" gesorgt. Sein Vorgehen ist ungewöhnlich. Und es wirft Fragen auf, was den Republikaner elf Tage vor den Präsidentschaftswahlen dazu bewegt haben mag. Als Motiv für sein Vorgehen nennt Comey den Wunsch, nicht im Verdacht zu stehen, etwas verschwiegen zu haben. Die Frage bleibt, was hätte er denn vertuscht - harte Fakten oder bloße Spekulationen? Dies zu klären gehört zu den Aufgaben professioneller Ermittler, nicht in die Arena der Wahlkämpfer. Dass der abgeschlagene Donald Trump versucht, die Steilvorlage zu nutzen, liegt auf der Hand. Helfen wird es ihm indes kaum. Sollte es keine dramatischen Erkenntnisse geben, die zu einer Anklage Clintons führen, haben die Amerikaner in dem beispiellosen Rennen zweier unbeliebter Kandidaten entschieden, wen sie weniger im Weißen Haus sehen wollen. In diesem Negativwettbewerb liegt Trump uneinholbar vorn. Das Geschenk des FBI-Direktors wird weder Latinos noch Schwarze und schon gar keine Frauen davon überzeugen, für einen Frauenverächter und Rassisten im Präsidentenamt zu stimmen. Zudem rächt sich nun Trumps Hang zu Verschwörungstheorien und chronischen Übertreibungen. Außer seinen eingeschworenen Fans hört kaum jemand mehr hin, wenn er lospoltert. Paradoxerweise könnte das Wiederaufleben der E-Mail-Affäre dem Team Clinton sogar dabei helfen, Übermut und Sorglosigkeit in den eigenen Reihen zu vermeiden. Die "Oktober-Überraschung" hat das Potential, den Wahlsieg Clintons zu schmälern, kommt aber zu spät für Trump, das Blatt noch einmal zu wenden.

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