Mittelbayerische Zeitung

Mittelbayerische Zeitung: Anschlag auf unsere Werte - Kommentar von Reinhard Zweigler

Regensburg (ots) - Fassungslos schaut die Welt auf Nizza. Die Küstenstadt am Mittelmeer, die eigentlich für Sommer, Sonne, Meer und unbeschwertes Leben steht, wurde ausgerechnet am französischen Nationalfeiertag zum Schauplatz einer beispiellosen Terrorattacke. Die mörderische Fahrt erfolgte nach einem wunderschönen Feuerwerk. Wie viel Kaltblütigkeit, wie viel Menschenverachtung, wie viel Hass gehört eigentlich dazu, um einen Lastkraftwagen mit Tötungsabsicht durch feiernde, unschuldige, nichts ahnende Menschen zu steuern, um sie niederzumähen wie Strohhalme? Es krampft sich einem das Herz zusammen, wenn man die Bilder des Infernos, der Toten und Verletzten, der Verwüstung sieht. Sehen muss. Unsere Trauer, unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen. Der Massenmord per Lastwagen war zugleich ein Anschlag auf die Zivilisation, auf unsere Werte von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Es war ein Anschlag auf das Leben, auf das friedliche Zusammenleben von Menschen, gleich welcher Nationalität, Ethnie oder Religion sie angehören. Dass sich die internationale Gemeinschaft in Trauer und Solidarität hinter die Franzosen stellt, ist kein bloßes Lippenbekenntnis, keine erwartbare Routineübung, sondern auch das Versprechen, den gemeinsamen Kampf gegen Terroristen, egal mit welchem Hintergrund, auf der Welt fortzusetzen. Der Attentäter von Nizza hat viele Menschen getötet, hat Furcht und Schrecken verbreitet, hat gezeigt, wie verwundbar offene Gesellschaften sind, doch dem Zusammenhalt und der Entschlossenheit der freien Welt hat er nichts anhaben können. Die hinterhältige Terrorattacke von Nizza ist auch eine Herausforderung der friedlichen Zivilisation. Die stolze Grand Nation indes kommt nicht zur Ruhe. Eine Blutspur des Terrorismus hält das Land in Atem. Nach dem Massaker in der Redaktion der Satirezeitschrift Charie Hebdo im Januar 2015, den furchtbaren islamistischen Anschlägen des 13. November, nach barbarisch ermordeten Polizisten wird das Land nun von einem Anschlag heimgesucht, den sich nur völlig verblendete Hirne ausdenken konnten. Nachdem, was man bisher weiß, war der Täter ein junger Franko-Tunesier, der sich vermutlich islamistisch radikalisiert hatte. Das Szenarium seines Massenmordes per Lkw folgte jenen kruden Tötungsanweisungen, die die gottlose Terrororganisation des "Islamischen Staates" (IS) propagiert. Ob der Täter "nur" ein irregeleiteter Einzelgänger war, oder ob er zu einem diabolischen Netzwerk gehört, muss erst noch geklärt werden. Allerdings muss sich die französische Gesellschaft fragen, warum immer wieder besonders junge Männer mit muslimischem und Migrationshintergrund anfällig werden für islamistische Verführer, warum sie töten? Wenn sie und ihre ideologischen Einpeitscher sich dabei auf den Koran berufen, ist das eine Pervertierung dieses Glaubens. Paris hat nach dem jüngsten Terrorakt den landesweiten Ausnahmezustand verlängert. Die Sicherheitskräfte sind permanent im Einsatz. Dennoch ist es zur Gewissheit geworden, dass es einhundertprozentige Sicherheit vor derartigen Anschlägen nicht gibt. Nirgendwo auf der Welt. Auch Deutschlands Sicherheitsbehörden und die Politik werden auf den Anschlag reagieren müssen. Der Kampf gegen den Terror muss international und nationalegeführt werden. Allerdings ist die länderübergreifende Zusammenarbeit, was etwa brisante Telekommunikationsdaten betrifft, noch nicht effektiv genug. Und vermutlich kann eine Vorratsdatenspeicherung, wie sie Deutschland hat, Morde eines Einzelterroristen nicht verhindern. Doch für die Aufdeckung von Netzwerken des Terrors ist sie notwendig.

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