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Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zu Orlando: Keine einfachen Lösungen von Thomas Spang

Regensburg (ots) - Der Terror von Orlando richtete sich nicht nur gegen einen Schwulen-Club in Florida. Der Attentäter zielte auf das Herz unserer freien Gesellschaften, die Vielfalt nicht als Bedrohung sondern als Bereicherung versteht. Das friedliche Miteinander von Menschen verschiedener ethnischer, kultureller und religiöser Herkunft, die Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Orientierungen, kurz der Pluralismus der Lebensweisen ist die Essenz westlicher Werte. Omar Saddiqui Mateen nahm mit seinem Hass uns alle ins Visier. Wir sind Orlando. Der 911-Notruf, bei dem Mateen dem Islamischen Staat die Treue schwor, sollte ein Weckruf sein, der uns auf die gemeinsamen Werte besinnen lässt. Wer versucht, eine solche Tragödie politisch auszuschlachten, betreibt das Geschäft des Täters. Nichts hilft den hasserfüllten Extremisten mehr als innere Verwerfungen, Überreaktionen und Uneinigkeit. Deshalb ist es so verwerflich, wenn Donald Trump wenige Stunden nach dem Massaker damit beginnt, Schuld zuzuweisen. Zumal inzwischen klar scheint, dass Mateen auf eigene Faust als sogenannter "einsamer Wolf" handelte und keine Hintermänner des IS hatte, die das Massaker von langer Hand geplant hatten. Die Ergebnisse der unter Hochdruck angelaufenen Ermittlungen müssen abgewartet werden, um sagen zu können, ob Fehler gemacht wurden. Die von Trump und anderen Rechtspopulisten suggerierte Idee, in offenen Gesellschaften lasse sich so etwas wie totale Sicherheit herstellen, grenzt an magisches Denken. Wer das für erstrebenswert hält, dürfte sich in einem Polizeistaat wie Nordkorea vielleicht wohlfühlen. Zum Preis der Freiheit gehört es leider, mit einem Restrisiko leben zu müssen. Allerdings gibt es sinnvolle Schritte, die unternommen werden können, Massaker wie das in Florida zu verhindern. Allen voran gehört in den USA dazu eine Reform der Waffengesetze. Dass ein Terrorist ohne Probleme in ein Waffengeschäft gehen kann, um sich eine Kriegswaffe zu kaufen, bleibt rundherum unverständlich. Obwohl Mateen auf dem Radar des FBI wegen seiner Umtriebe im extremistischen Spektrum war, konnte er vor zwei Wochen noch ein AR-15-Schnellfeuergewehr und eine Glock-Handfeuerwaffe kaufen. Das ist nicht nur absurd, sondern grob fahrlässig. Die Amerikaner müssen sich in der Tat überlegen, ob sie es Terroristen wirklich so einfach machen wollen. Wichtig ist aber auch, Ross und Reiter zu benennen. Omar Mateen war ein Extremist, der den Islam benutzte, einen von Hass gegen Schwule und Lesben getriebenen Terrorakt zu verüben. Das lässt sich weder beschönigen noch verschweigen. Alles andere wäre so, als versuchte man den Holocaust zu beschreiben, ohne über die nationalsozialistischen Täter und die Juden als deren Opfer zu sprechen. Der schlimmste Terroranschlag auf amerikanischen Boden seit dem 11. September zeigt, dass die Auseinandersetzung mit dem IS und anderen Fanatikern noch lange nicht vorüber ist. Deren Extremismus bleibt eine tödliche Bedrohung - von Paris über Brüssel bis hin nach Orlando. Leider ist dies auch die Stunde der Rattenfänger, die einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen. Der National-Chauvinist Trump fällt in diese Kategorie. Seine Forderung, allen Muslimen die Einreise in die USA zu verwehren, gefährdet erst Recht die Sicherheit. Den Verlockungen des plumpen Populismus nicht zu erliegen, muss das Gebot der Stunde sein. Nicht Angst, sondern die mutige Verteidigung unserer gemeinsamen Werte machen Gesellschaften stark, dem Terror zu widerstehen.

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