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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Bernhard Fleischmann zur Kaufprämie für Elektroautos

Regensburg (ots) - Eine stinkende Subvention

So richtig überzeugt ist die große Koalition von der Elektroauto-Förderung selbst nicht. Darauf deutet schon die zaghafte Herangehensweise hin, die sie seit Jahren an den Tag legt. Kurz vor Beschluss hat sie nochmal 1000 Euro von den geplanten 5000 Euro für reine E-Autos abgehobelt. Nun sieht es so aus, als wäre man höchst unsicher, ob die Förderung überhaupt etwas taugt. Diese Zweifel sind berechtigt. Es lohnt ein Blick auf die Motive für die Förderung. Erstens will die Bundesregierung mit aller Gewalt ihr in weiter Ferne liegendes Ziel erreichen, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge in Deutschland auf der Straße zu haben. Das schafft sie locker - wenn sie alle Elektrofahrräder dazuzählt. Wenn nicht, dann ist sie von der Million so weit entfernt wie noch viele E-Autos von einer reisetauglichen Reichweite. Zweitens will die Koalition die weltweite Dominanz (zumindest bei hochwertigen Fahrzeugen) der deutschen Automobilindustrie erhalten. Unsere Vorzeigeindustrie, um die sich immer mehr Beobachter Sorgen machen. Denn was die deutschen Autobauer in den vergangenen Jahren vorzuweisen haben sind grandiose Erfolge in traditionellen Geschäften und Technologien; aber ein wenig überzeugender Auftritt bei Stromern. Und auf die Überlegenheit bei herkömmlichen Technologien fällt neuerdings ein Schatten, der so dunkel ist wie die Rußfahne eines 50 Jahre alten Diesel. Genau an diesem Punkt fällt nun die E-Auto-Förderung, von der die Autoindustrie profitieren wird, zeitlich zusammen mit den Folgen der Betrügereien und Tricks beim Diesel. Man könnte also sagen: Wir Steuerzahler sollen den Autobauern mit einer Subvention, die als ökologisch motiviert verkauft wird, aus einer Patsche helfen, in die sie sich mit ihren Schweinereien gegenüber Umwelt und Gesundheit der Erdenbewohner hineinmanövriert hat. So eine Belohnung auf unsere Kosten stinkt. Noch dazu, wenn man bedenkt, dass E-Autos den Flottenverbrauch der Hersteller rechnerisch weitaus mehr senken als sie es in Wirklichkeit tun. Auf diese Weise alimentieren sie dank freundlicher staatlicher Unterstützung die Herstellung und den Verkauf von schluckfreudigen Verbrennern. Toll. Die Subvention hilft den Herstellern bestenfalls kurzfristig und vordergründig. Abgesehen davon, dass sich selbst mit 4000 Euro Förderung nahezu kein aktuelles Elektroauto für den Verbraucher unter den aktuellen Bedingungen rechnet - auf lange Sicht ist sie eher schädlich. Denn die bisherige Strategie der - nicht nur deutschen - traditionellen Autobauer geht nicht mehr auf. Sie bauen fast alles - ob Diesel, Hybrid, Plugi-In-Hybrid, Brennstoffzelle und ein paar kurzatmige Elektroautos. Überzeugend ist das nicht: Der Diesel, die deutsche Hightech-Motorendomäne, erweist sich als wahlweise zu teuer oder zu schmutzig. Die Hybride und Plug-In-Hybride stehen gut - in den Schauräumen als Ladenhüter. Es gibt nur wenige überzeugende Modelle wie den Toyota Prius oder Yaris in dieser Kategorie. Die richtigen E-Autos sind noch zu wenig kundenfreundlich. Immerhin sollen Behörden vorangehen und viele Stomer anschaffen. Das ist eine durchaus erfreuliche Maßnahme. Viele Behörden-Mobile sind in Städten unterwegs. Gerade dort sind Stromautos sinnvoll, weil sie vor Ort keine Schadstoffe ausstoßen. Doch das ist erst ein kleiner Schritt. Im Sinne der Citys ein zu kleiner. Da müssen auch Lieferverkehre, Individualverkehr und Busse rußfrei werden. Will man die E-Autos wirklich nach vorne bringen, dann braucht es mehr - ein neues Gesamt-Mobilitätskonzept mit einem massiven Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs. E-Mobile passen viel besser in ein integriertes System vieler Verkehrsmittel als in unsere heutige Welt, in der die Systeme eher schlecht verzahnt nebeneinander existieren. Steuervorteile für Diesel-Treibstoff und Kaufprämien sind dagegen die falschen Rezepte von gestern.

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