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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Chritine Straßer zu Papst in Kuba

Regensburg (ots) - Es ist eine Überraschung, für die dieser Papst andererseits aber eben auch immer gut ist: In seiner Predigt auf dem Platz der Revolution in Havanna kritisiert Franziskus sehr deutlich Cliquenwirtschaft und Elitedenken. Der Dienst am Menschen dürfe niemals ideologisch sein, mahnte der Papst. Damit zeigt sich einmal mehr, dass sich dieser Papst vor keinen Karren spannen lässt. Dem Regime der Castros hat er damit ein bemerkenswertes Schnippchen geschlagen. Eigentlich deutete vieles auf einen Schmusekurs während der Papstreise nach Kuba und die USA hin. Franziskus wurde als Vermittler der historischen Annäherung zwischen Havanna und Washington bejubelt. Seit Juli haben beide Staaten wieder Botschaften im jeweils anderen Land. Zudem setzte sich der Papst für die vollständige Aufhebung des seit rund 55 Jahren bestehenden US-Handelsembargos ein. Für den argentinischen Papst, der angesichts seiner scharfen Kapitalismuskritik, als Linker wahrgenommen wird, wäre es ein Leichtes gewesen, sich für seine segensreiche Vermittlungstätigkeit im Karibikstaat bejubeln zu lassen. Doch als Diplomat im Namen des Herren sieht sich Franziskus ganz offensichtlich nicht. Er eckt lieber an. In Kuba macht sich Franziskus wie von vielen erhofft für mehr Freiheit - nicht nur für seine Kirche - stark. Eine Begegnung des Papstes mit Menschenrechtsaktivisten steht zwar nicht auf dem Programm, aber mit seiner Predigt schickt er mehr als nur Grüße an all diejenigen "die ich aus verschiedenen Gründen nicht werde treffen können". Was der Papst vom Wirtschaftssystem der USA hält, hat er unlängst in Bolivien wissen lassen. Kapitalismus, jedenfalls in seiner unregulierten Form, gleiche einer "sanften Diktatur". Aber auch eine Clique, die im Namen einer kommunistischen Ideologie ein ganzes Volk beraubt, ist ihm ein Dorn im Auge. Denn letztlich treibt Franziskus vor allem eines um: der Kampf gegen Armut.

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