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Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zu Wohnraum in Bayern: Kluge Wohnideen von Katia Meyer-Tien, mz

Regensburg (ots)

Das Einfamilienhaus, noch immer Lebenstraum vieler Deutscher, wird nicht sterben. Seit Jahren singen die Architekten und Städteplaner den Abgesang auf jene platzverschwenderische Wohnform. Und die neuesten Zahlen geben ihnen Recht: Die Preise für erschlossenes Bauland in den bayerischen Ballungszentren, allen voran München, aber auch Regensburg, haben für Normalbürger kaum finanzierbare Höhen erreicht. Dieses wertvolle Land mit Häusern zu bebauen, in denen nur eine einzige Familie wohnen kann, scheint ökonomischer Selbstmord. Und doch. Selbst in den modernsten Neubausiedlungen, die in bester Lage auf Münchens ehemaligen Kasernengeländen entstehen, finden sich kleine und originell ineinander verschachtelte Reihenhäuschen, selbst freistehende Einfamilienhäuser mit Gärtchen sind dort zu bestaunen. Städtebaulich eine Katastrophe, mag man meinen. 11 500 neue Wohnungen müssten allein in München Jahr für Jahr entstehen, um maroden Wohnraum zu ersetzen und allen Zugereisten ein Dach über dem Kopf zu bieten. Gebaut wurden 2012 gerade mal 6020. Die Folge: Wohnungsmangel und steigende Mietpreise. Experten raten dazu, Brachflächen zu erschließen und insgesamt höher zu bauen. Besonders verheißungsvoll klingen da moderne Konzepte, die effizient mehrstöckig verteilte Mikroappartements anpreisen: Komplette Wohnungen auf 20 Quadratmetern, ausgestattet mit modernster Technik zu erschwinglichen Preisen. Wohnraummaximierung durch Minimalismus; Scheinbar die ideale Lösung gerade für Städte wie München und Regensburg, die einen hohen Anteil von Single-Haushalten verzeichnen, weil sie attraktiv sind für Studenten, Wochenendpendler und mobile Senioren. Gleichzeitig aber weisen Experten auf einen ganz anderen Trend hin: Der Wandel der Arbeitswelt könnte zu einer grundlegenden Trendumkehr führen. Sie lenken den Blick auf die Wohngebiete in der Peripherie der Großstädte. Die entstanden in ihrer heutigen Form nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Menschen auf der Suche nach Arbeit in die Industriestädte zogen. Die Form folgte damals dem Zweck, gebraucht wurde allein Wohnraum. Infrastruktur war zweitrangig, Wohnen und Arbeiten waren voneinander entkoppelt. Extremes Beispiel dieser Bauform sind die berüchtigten Pariser Banlieues. Heute verschmelzen Arbeiten und Wohnen zusehends. Mit Smartphone und Laptop auch zu Hause erreichbar zu sein ist für viele Normalität, das eigene Büro neben dem Wohnzimmer für viele Selbständige und Dienstleister eine Selbstverständlichkeit. Damit wird auch der Wohnraum wieder wichtiger: Wohnungen sind nicht mehr nur Schlaf- und Entspannungsplätze, sondern Teil der Arbeitswelt. So können Konzepte wie die Mikroappartements zwar für einen Teil der Stadtbevölkerung eine sinnvolle Wohnform sein. Doch auch das innenstadtnahe Reihenhaus ist in dieser Logik keine Platzverschwendung, sondern Teil der erweiterten Arbeitswelt. Allerdings nur dann, wenn das Wohnen nicht nur in der Stadt, sondern auch in den stadtnahen Wohngebieten neu gedacht wird und so der Druck auf die Innenstädte abnimmt. In einer entgrenzten Arbeitswelt, die - zumindest theoretisch - nicht mehr für jeden die tägliche persönliche Anwesenheit am Standort des Unternehmens erfordert, kann die Infrastruktur zum entscheidenden Kriterium bei der Wohnortwahl werden. Wo Kindergärten und Kinderkrippen, Einkaufs- und Ausgehmöglichkeiten vorhanden sind und kluge Konzepte Mobilität ermöglichen, da wird das Wohnen interessant. Besonders dort, wo das Bauland günstig ist.

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