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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Reinhard Zweigler zu Edathy

Regensburg (ots) - Zumindest strafrechtlich ist der Fall des Ex-SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy seit gestern beendet. Nach gerade mal zwei Verhandlungstagen wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage von 5000 Euro eingestellt. Ein solches Vorgehen mag zwar in der gerichtlichen Praxis gang und gäbe sein - schon alleine, um langwierige Gerichtsverfahren abzukürzen - dennoch bleibt mehr als nur ein übler Nachgeschmack. Dass hier das Gericht mit einem Politiker einen Deal machte, der sich kinderpornografische Bilder und Filme im Internet besorgte, schlägt dem Gerechtigkeitsempfinden vieler Menschen ins Gesicht. Obendrein macht der Ex-Politiker aus seiner Niederlage fast noch einen Triumph. Eine "glaubhafte, geständige Einlassung" hatte der Verdener Oberstaatsanwalt im Verfahren gefordert. Aber nun lässt Edathy seinen Anwalt erklären, dass er mitnichten eingeräumt hätte, kinderpornografisches Material besessen zu haben. Ja, was denn nun? Eine wirkliche Klärung dieser Frage wäre für das Gericht schon im Interesse der vor laufender Kamera missbrauchten Kinder notwendig gewesen. So oder so ist der einstige politische Senkrechtstarter Edathy tief gestürzt, seine politische Karriere ist beendet. Beruflich und gesellschaftlich ist er erledigt. Die SPD drängt ihn zum Austritt. Politisch ist die Affäre dagegen noch längst nicht ausgestanden. Im Bundestag ermittelt der Untersuchungsausschuss weiter. Nun muss sich noch zeigen, ob der Fall Edathy auch weitere SPD-Politiker in die Bredouille bringt oder nicht. Es könnte durchaus weitere unangenehme Überraschungen geben.

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