Mittelbayerische Zeitung

Mittelbayerische Zeitung: Reinhard Zweigler zu 70 Jahre CDU

Regensburg (ots) - Die CDU wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Keine Partei hat die Geschichte der Bundesrepublik so geprägt wie die Christdemokraten, die allein fünf von bisher acht Kanzlern stellten. Die Ostdeutsche Angela Merkel, die sich heute mit der Euro-Rettung, Griechenland oder der Ukraine-Krise herumschlagen muss, ist eine Erbin des rheinischen Kanzlers Konrad Adenauer. Der hatte maßgeblich die drei West-Zonen vereint und ihre Westbindung vorangetrieben. Zusammen mit der bayerischen Schwesterpartei CSU bildet die CDU ein seit Jahrzehnten funktionierendes Bündnis. Trotz gelegentlicher Sticheleien oder gar Raufereien zwischen den Unionsparteien scheint dies eine Grundlage des Modells Deutschland zu sein. Es hat sich nach der Herstellung der Einheit 1990 auch im Osten etabliert. Vor 70 Jahren begründeten Nazi-Gegner, Anhänger der einstigen Zen-trumspartei, Deutschnationale und Liberale eine konfessionsübergreifende politische Bewegung. Wahrscheinlich haben es sich weder Konrad Adenauer noch Jakob Kaiser träumen lassen, dass aus der Parteineugründung in den Besatzungszonen einmal die prägende politische Kraft Nachkriegsdeutschlands würde. Eingedenk der bitteren Erfahrungen mit dem Hitler-Regime, nach dem verheerenden deutschen Angriffskrieg mit vielen Millionen Toten und dem verbrecherischen Holocaust formten sie eine neue politische Kraft. Der christliche Gewerkschafter Kaiser warb für einen "Sozialismus aus christlicher Verantwortung", was seinerzeit ziemlich populär war. Doch schon bald prägte der frühere Kölner Oberbürgermeister Adenauer jenes politische Programm, das auf Frieden, Demokratie und den Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit setzte. Soziale Marktwirtschaft bestimmt seither die Entwicklung Deutschlands. Der Franke Ludwig Erhard begründete mit diesem Modell das Wirtschaftswunder der 50er Jahre. Der Kanzler der Einheit Helmut Kohl schaffte nach der friedlichen Revolution in der DDR die Wiedervereinigung des über vier Jahrzehnte geteilten Landes. Widerstände bei Verbündeten, etwa Paris oder London, oder der Wirtschaft und erst recht der Opposition schob Kohl einfach beiseite. Der Erfolg bei der ersten gesamtdeutschen Wahl 1990 gab ihm Recht. Für Verwerfungen, etwa infolge der überstürzten Wirtschafts- und Währungsunion, zahlt der deutsche Steuerzahler noch heute. Und der einst unter Finanzminister Theo Waigel eingeführte Solidaritätszuschlag ist zu einer dauerhaften Einnahmequelle des Staates geworden, wie die einst unter Kaiser Wilhelm II. erfundene Sektsteuer. 70 Jahre CDU sind nicht nur eine reine Erfolgsgeschichte. Die Adenauer-Ära hatte Affären genug. Die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit fiel schwer oder wurde gar völlig unterbunden. Das Aufbegehren der Studentenbewegung traf die muffige CDU unvorbereitet. Es war der SPD-Kanzler Willy Brandt, der mit einer neuen Politik des Wandels durch Annäherung den Eisernen Vorhang durchgängiger machte und im Land mehr Demokratie wagte. Auch nicht frei von Eruptionen. Die Union hielt seinerzeit noch an den alten Grenzen des Deutschen Reiches fest, was sie zunehmend isolierte. Kohl hatte 1990 ohne viel Federlesens die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze in den eigenen Reihen durchgesetzt. Wenn es ein Erfolgsgeheimnis für die lange Regierungszeit der CDU gibt, dann die Fähigkeit, auf neue Entwicklungen, auch auf eigene Fehler und Niederlagen, relativ rasch zu reagieren. Angela Merkel hat diese Wendigkeit beim Atomausstieg, dem Abschied von der Wehrpflicht oder zuletzt beim Mindestlohn gezeigt. Der jüngste Schwenk der CDU in der Flüchtlingspolitik trifft auf den erbitterten Widerstand der CSU. Auch diese Konstellation ist nicht neu.

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