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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Christian Kucznierz zu den russischen Manövern in Westeuropa

Regensburg (ots) - Es war die Ur-Angst der Westeuropäer, vor allem der Deutschen, im Kalten Krieg: dass "die Russen" kommen könnten. Ist es nun, da immer häufiger russische Flugzeuge über europäischen Meeren gesichtet werden, soweit? Nein. Aber Russland versucht den Westen durch diese Aktionen zusätzlich zu provozieren. Und das ist bedenklich. Sicher: Die EU und die Nato sind durch ihr Agieren in der Ukraine-Krise aus der Sicht Moskaus ebenfalls Provokateure. Nur müssen sich die beiden Bündnisse nicht vorwerfen lassen, aktiv in einen Konflikt innerhalb eines souveränen Staates eingegriffen zu haben. Russland hat den Ukraine-Konflikt mindestens befeuert, wenn nicht ausgelöst. Dass der Krieg im Osten des Landes weiter tobt, ist eine direkte Folge der russischen Unterstützung dort. Dass die Krim nun Teil Russlands ist, geschah nicht durch freie, demokratische Wahlen. Es ist vor allem der Geduld des Westens zu verdanken, dass der Ukraine-Konflikt nicht eine grenzüberschreitende Krise ausgelöst hat. Die EU hat harte Sanktionen verhängt, sicher. Sie hat aber keine Verhandlungen abgebrochen oder den Gesprächsfaden abreißen lassen. Das Problem ist, dass der Westen einen Gegenspieler vor sich hat, der unberechenbar geworden ist. Putins Ziele sind unklar. Ob er eine Spaltung der Ukraine wirklich vorantreibt, ob er seine revisionistische Politik auch in Bezug auf andere frühere Ostblock-Staaten anwenden wird, weiß niemand. Die russischen Flugmanöver vor EU-Staaten sind keine Zufälle. Aber noch sind sie keine Bedrohung - zumindest so lange nicht, wie der Westen nicht doch endgültig die Geduld mit Moskau verliert.

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