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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Katia Meyer-Tien zur Tarifeinheit

Regensburg (ots) - Man konnte es angesichts stehender Züge und Flugzeuge fast vergessen: Das Recht auf Streik und Arbeitnehmerorganisation ist eine der wichtigsten Errungenschaften unserer demokratischen Gesellschaft. Die Abkehr vom Prinzip "Ein Betrieb, eine Gewerkschaft" vor vier Jahren aber hat dieses Recht geschwächt. Die Zersplitterung in Kleinstgewerkschaften innerhalb einzelner Betriebe stärkt die Macht einzelner Gruppen. Dies geht zwangsläufig auf Kosten anderer: Ein Kuchen wird nicht größer, bloß weil mehr davon essen wollen. Und: Wird der Arbeitskampf wie im aktuellen Fall der Lokführerstreiks nicht nur genutzt, um die Interessen gegenüber dem Arbeitgeber durchzusetzen, sondern auch, um Machtkämpfe zwischen konkurrierenden Gewerkschaften auszutragen, sinkt die Akzeptanz in der Bevölkerung: Ein Streik wird nicht mehr als notwendiger Preis der Demokratie, sondern als lästige Erpressung wahrgenommen. Der nun vorliegende Gesetzesentwurf mag einzelne Gewerkschaften benachteiligen. Aber er sichert zu, dass die Gewerkschaft, die die Mehrheit der Beschäftigten in einer Berufsgruppe in einem Betrieb hinter sich weiß, diese auch vertreten kann. Und das ist Demokratie.

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